Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Alles Einzelfälle? Rechtsextremismus und Misogynie und sexistisch motivierte Gewalt

Mit abgeklebten Mündern und Schildern finden sich am 04.11.2016 Mitglieder einer Gruppe von Amnesty International im Zentrum von Chemnitz (Sachsen) zu einem Flashmob zusammen. Mit den Aktionen in Chemnitz und Leipzig wollen die Gruppen gegen das Behördenversagen im Fall der rechten Terrorzelle NSU aufmerksam machen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB +++(c) ZB-FUNKREGIO OST - Honorarfrei nur für Bezieher des ZB-Regiodienstes+++

Immer wieder zeigen sich Antifeminismus und Frauenhass als verbindende Elemente rechtsterroristischer Gewalttäter. Attentate wie die von Isla Vista, Utøya, Christchurch aber auch von Halle und Hanau diese haben das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren erhöht, die rechter Terror für Frauen und weiblich gelesene Personen haben kann. Allerdings wird jenseits der medial wahrgenommenen verheerenden Terroranschläge nur wenig darüber gesprochen, welche Rolle geschlechtsbezogene Ideologien und die Abwertung von Weiblichkeit bei rechter Gewalt, Übergriffen oder rechtsextremen Tötungsdelikten spielen. Eine systematische Aufarbeitung und Analyse fehlte bislang. Mira Brate und Anna Suromai haben gemeinsam mit der Fachstelle Gender, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus eine Expertise zum Zusammenhang von Antifeminismus sowie Frauenhass und rechter Gewalt erarbeitet, die nun als Broschüre verfügbar ist.

Die Veröffentlichung gibt einen Einblick in die ideologische Rahmung, innerhalb derer sich das rechtsextreme Geschlechterverständnis, der männliche Überlegenheitsanspruch und die daraus resultierende sexistische Gewalt entwickeln. In einem zweiten Teil werden die Tragweite dieser Gewalt exemplarisch anhand von acht realen Fällen dargestellt.

Am bekanntesten ist sicher der Mord an der Berlinerin Beate Fischer 1994, wo der Zusammenhang zwischen der misogynen rechtsextremen Ideologie und der misogynen rechtsextremen Gewalttat schon in früheren Untersuchungen deutlich gemacht werden konnte, was auch zur Anerkennung als Todesopfer rechter Gewalt führte. Der Fall steht exemplarisch für extrem rechte Gewalt gegen Frauen, deren Sexualität von den Tätern als „abweichend“ verstanden wird. Untersucht werden weitere Fälle in verschiedenen Kategorien, zum Beispiel Gewalt gegen politische Gegnerinnen, sogenannte „Beziehungstaten“ als Ausdruck sexistischer Elemente des Weltbildes rechtsextremer Täter, aber auch sexistische rechte Gewalt mit intersektionaler Dimension sowie Gewalt gegen effeminierte Männlichkeiten. Die Fälle zeigen in ihrer Unterschiedlichkeit verschiedene Dunkelfelder auf: So sind Gewalttaten auf sexistische Motivlagen zu untersuchen, wenn ein solches nicht ausgeschlossen werden kann. Insbesondere ist ein stärkerer Fokus auf „häusliche Gewalt“ bzw. „Beziehungstaten“ durch rechtsextreme Täter nötig. Anstösse zum Erhellen der Dunkelfelder zu geben, sexistische Tatmotive (anzu)erkennen und damit die Betroffenenperspektive zu stärken sind wichtige Anliegen der Studie.

Die aus rechtsextremen Weltbildern resultierende erhöhte Gefahr für sexistische rechte Gewalttaten muss anerkannt werden. Die Ergebnisse legen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial durch rechtsextreme Personen auch für queere, inter und trans Personen nahe, denen die extrem rechte Ideologie die Existenzberechtigung abspricht.

Die Expertise „Alles Einzelfälle? Misogyne und sexistisch motivierte Gewalt von rechts“ bildet einen Ausgangspunkt für ein bundesweites zivilgesellschaftliches Monitoring Antifeminismus (antifeminismus-melden.de), welches die Amadeu Antonio Stiftung aufbaut. Denn bislang fehlt eine systematische Aufbereitung (on- und offline) zu antifeministischen und sexistischen An- und Übergriffen, um deren Ausmaß sichtbar machen und entsprechende Gegenstrategien entwickeln zu können.

Die Expertise kann hier bestellt und heruntergeladen werden.

Publikationen

Weiterlesen

201201_AAS_CURA_P01_A6_Flyeralarm_Synagoge_page-0001

Unterstützung für Betroffene von rechter Gewalt – Jahresrückblick des Opferfonds CURA 2022

Eine Familie wird immer wieder mit dem antimuslimischen Rassismus ihres Nachbarn konfrontiert. Er verfolgt sie auf dem Weg zur Schule, lauert ihnen immer wieder auf, bedroht sie. Die Familie ist psychisch stark belastet, Ängste beherrschen den Alltag. Nur einer von 80 Fällen, in denen der Opferfonds CURA Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt 2022 unterstützte.

Interview

„Die Möglichkeit zu sprechen gibt uns unsere Freiheit zurück“

Vor 30 Jahren töteten Neonazis bei einem rassistischen Brandanschlag in Mölln drei Menschen. İbrahim Arslan überlebte den Anschlag, doch seine Oma, seine Schwester und seine Cousine starben. Im Gespräch erinnert er an die Tat und mahnt die Gesellschaft zur Pflicht, an die Opfer rechter-rassistischer Gewalt zu erinnern.

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.