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Symbolische Umbenennung: Amadeu-Antonio-Straße zum 49. Geburtstag


Rund 50 Menschen versammelten sich am Freitag den 12. August 2011 in Eberswalde, um der symbolischen Umbenennung der Eberswalder Straße in die Amadeu-Antonio-Straße beizuwohnen. Erinnert wurde an den rassistischen Mord von 1990 sowie den anhaltenden Alltagsrassismus.

Am Freitag den 12. August nahmen in Eberswalde rund 50 Menschen an einer symbolischen Straßenumbenennung, in Gedenken an den 1990 ermordeten Amadeu Antonio, teil. Aufgerufen hatte die Barnimer Kampagne „Light me Amadeu“, welche sich im Rahmen einer Initiative seit April 2011 für eine Amadeu-Antonio-Straße in Eberswalde einsetzt.

Amadeu Antonio wurde 1962 in Angola geboren. Nach Ausbildungsaufenthalten in Brasilien, Portugal und der Sowjetunion entschied sich Amadeu Antonio 1987 für einen vierjährigen Vertragsaufenthalt in der DDR. Entgegen seiner Hoffnung in der DDR Flugzeugtechnik studieren zu können, wurde er als Fleischer angelernt und arbeitete gemeinsam mit weiteren angolanischen Kollegen im Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde. Nach Beendigung seines Arbeitsvertrages blieb Amadeu Antonio in Eberswalde, da seine deutsche Freundin ein Kind erwartete.

Eines der ersten Opfer rassistischer Gewalt nach der Wiedervereinigung

In der Nacht vom 24. zum 25. November 1990 wurde Amadeu Antonio von einem rassistischen Mob aus Neonazis, Skinheads und weiteren Jugendlichen, brutal zu Tode geprügelt. Nachdem Amadeu Antonio durch seine schweren Kopfverletzungen zunächst ins Koma fiel, erlag er seinen Verletzungen am 6. Dezember 1990. Amadeu Antonios Begleiter, zwei Männer aus Mosambik, überlebten den Angriff schwer verletzt.

Am 12. August 2011 wäre Amadeu Antonio 49 Jahre alt geworden. Mit der diesjährigen symbolischen Umbenennung an der Kreuzung Eberswalder Straße/Lichterfelder Straße setzt die Kampagne „Light me Amadeu“ ein klares Zeichen: Zum 50. Geburtstag soll eine Straße in Eberswalde den Namen Amadeu Antonios tragen. Am besten eigne sich dafür ein Abschnitt der Eberswalder Straße, nahe des ehemaligen Hüttengasthofs, wo sich die Hetzjagd auf schwarze Vertragsarbeiter ereignete – schreibt die Kampagne in ihrem Aufruf.

Durchgeführt wurde die kurzzeitige Umbenennung dann durch John Munjunga, den Vorsitzenden des Eberswalder Afrikanischen Kulturvereins Palanca. Neben Palanca-Vereinsmitgliedern nahmen auch Flüchtlinge, Vertreterinnen und Vertreter aus der lokalen Politik und Zivilgesellschaft, sowie interessierte Jugendliche, an der Kundgebung teil.

Zu Beginn der symbolischen Umbenennung sprachen am Freitagmittag zunächst drei engagierte Jugendliche von „Light me Amadeu“ über das Leben und Schicksal Amadeu Antonios. Anschließend gingen sie auf den Alltagsrassismus ein, welcher auch heute noch, als „anders“ oder „fremd“ wahrgenommenen Menschen, aus der Gesellschaft entgegenschlägt. Dabei mussten sich die vortragenden Jungen und Mädchen kaum in die Rolle Amadeu Antonios versetzen. Sie blicken teils selbst auf Erfahrungen aus Übergangswohnheimen für Asylsuchende, oder rassistische Anfeindungen, zurück.

Straßennamen geben Orientierungen

Die symbolische Umbenennung des Straßenschildes solle die Menschen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, so Kai Jahns, von „Light me Amadeu“. Straßenschilder gäben Orientierungen, im direkten wie auch im übertragenden Sinne. Sie weisen nicht nur Richtungen, sondern vermitteln auch Bezüge, regen zum Nachforschen an. Zusätzlich sei die symbolische Umbenennung als Handlungsauftrag für die lokale Politik zu verstehen. Eine dauerhafte Umbenennung zum 50. Geburtstag Amadeu Antonios erfordere nicht nur das Stemmen eines bürokratischen, sondern auch eines finanziellen Aufwandes.

Am 8. Dezember 1990 beschloss der Kreistag in Eberswalde finanzielle Unterstützung, für die Überführung des Leichnams Amadeu Antonios nach Angola, bereitzustellen. Die Umsetzung des Beschlusses steht bis heute aus. Auch darauf möchte „Light me Amadeu“ mit der symbolischen Umbenennung hinweisen. In einer ersten Sammelaktion konnte die Kampagne in der Region bisher 1.410 Euro für einen Grabstein zusammentragen, und übergibt  diese demnächst der Familie in Angola. Das Geld kam vorrangig von antirassistischen Initiativen wie Phoenix e.V., aber auch von lokalen Mitgliedern der Partei B90/DIE GRÜNEN. Es sei hauptsächlich den GRÜNEN zu verdanken, dass Bürger- und Menschenrechte als politisches Tagesthema in der Region hervorgehoben würden, so Kai Jahns.

Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal Amadeu Antonios verliert, auch 21 Jahre nach dem rassistischen Mord, nicht an Aktualität. Immer noch komme es vor, dass Zuschauende beim lokalen Fussballspiel die Spieler wegen ihrer schwarzen Hautfarbe, und nicht wegen ihrer Leistungen, beschimpfen, berichtet Jahns. Eine Diskussion und Reflexion darüber anzustoßen, was es bedeute, in der Gegenwart eines anhaltenden Alltagsrassismus, „schwarz“ zu sein, auch darum gehe es der Kampagne.

Von Sebastian Reuter
(zuletzt geändert 24.08.11)

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