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Das Gefängnis Klapperfeld erzählt seine Geschichte

Foto: © Initiative Faites votre jeu!

Im ehemaligen Abschiebegefängnis Klapperfeld in Frankfurt finden sich unzählige Inschriften in verschiedenen Sprachen der Inhaftierten. Eine Gruppe Engagierter hat mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung daraus nun eine Ausstellung konzipiert. Um kritisch zu erinnern, die Geschichte des Gefängnisses zu beleuchten und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Von Sarah Beck

Polnisch, Arabisch, Rumänisch, Tamil, Ukrainisch, Russisch, Punjabi, Hebräisch – diese Vielzahl an Sprachen erinnert an Einträge eines linguistischen Lexikons. Tatsächlich handelt es sich um einige der Sprachen, in denen Inhaftierte des ehemaligen Abschiebegefängnis Klapperfeld in Frankfurt in den 1980er Jahren Inschriften hinterlassen haben.

Finden kann man sie überall – an Wänden, Türen und Decken. Diese rücken nun in den Mittelpunkt eines Projekts, das vom Arbeitskreis 2. Stock der Initiative Faites votre jeu! initiiert wurde. Der verheerende Zustand des über 100 Jahre alten Baus ruft Mitgefühl und nachdenkliches Schweigen hervor, insbesondere wenn man erfährt, dass es bis 2002 genutzt wurde.

Dass in direkter Nachbarschaft ein solcher Ort vorhanden ist, lässt kaum jemanden unberührt, so die Initiatoren der Initiative. Sie wollen zum einen die kaum bekannte Geschichte des Gefängnisses mit seiner langen wechselhaften Nutzung ins Bewusstsein rufen und im Speziellen die letzte Phase als Abschiebegefängnis thematisieren. Im Zuge des Projekts sollen die 18 Zellen für sich wirken. Lediglich ein Zimmer wird Hintergrundinformationen zum Alltag der Gefangenen und der Abschiebehaft im Allgemeinen liefern.

In drei ehemaligen Zellen werden die Inschriften mittels Klanginstallationen zum Leben erweckt. Gefunden wurden vielfältige Botschaften, die von Freiwilligen übersetzt und in kleinen Broschüren zusammengetragen wurden. Teilweise sind es Mitteilungen an andere Insassen, um ihnen Mut zu machen – aber auch auf Deutsch formulierte, gegen den Staat gerichtete Beschimpfungen. Manchmal wollten die Insassen einfach nur festhalten, dass sie einmal dort gewesen sind oder welchen Weg sie zurückgelegt haben.

Feindseligkeiten unter den Inhaftierten selbst fanden sich selten, Botschaften für Familie und die eigenen Kinder häufiger. Oftmals wollte man einfach zum Durchhalten ermutigen oder einfach nur etwas Abwechslung im grauen Gefängnisalltag bieten, was ein in Moldauisch formuliertes Rätsel vermuten lässt. Die Hintergründe werden mithilfe von Interviews recherchiert, zum Beispiel mit Anwälten und Engagierten des damaligen Freiwilligenbesuchsdiensts. Sie unterstützen die in der Abschiebung befindlichen Personen und können noch heute einiges über die Begegnungen mit ihnen berichten.
Noch gibt es keine Interviews mit ehemals Inhaftierten, zu schmerzlich sind ihre Erinnerungen, zu wenig Vertrauen haben sie nach ihren Erfahrungen. Eröffnet wird die Ausstellung, die eigentlich gar keine ist, im Januar. Um kritisch zu erinnern, die Geschichte des Gefängnisses zu beleuchten und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

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