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Was ist Hate Speech?

Was ist Hate Speech?

Hate Speech kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Hassrede“. In menschenverachtenden Aussagen werden Einzelne oder Gruppen abgewertet. Die sprachlichen Angriffe können auf Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Geschlecht, Alter, Behinderung oder Religion von Menschen zielen. Diese Abwertungen basieren auf der Annahme, dass bestimmte Menschengruppen weniger wert als andere seien. Damit werden ihnen gegebenenfalls auch gleiche  Rechte abgesprochen – schlimmstenfalls das Recht zu leben.

 

Hate Speech ist Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die ihren Ausdruck in gewalttätiger Sprache findet. Sie verletzt die Würde und die Rechte von Menschen und kann ganze Gruppen einschüchtern. Sie kann indirekt sein und über Bilder oder Memes funktionieren. Wird beispielsweise Beschimpfungen nicht widersprochen, sinkt die Empörung darüber. Die abwertende Aussage gilt dann als „normal“. Die Folgen spüren nicht nur die Betroffenen, die Stimmung in der ganzen Gesellschaft wird feindseliger. Hate Speech ist sehr gefährlich, aber nur bedingt strafrechtlich relevant. Der gesellschaftliche Zusammenhalt leidet insgesamt unter Hass und Diskriminierung.

 

Rechtsextreme und rechtspopulistische Akteur*innen nutzen digitale Räume, um menschenverachtende Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. Sie besetzen gezielt Themen, rekrutieren Gefolgschaft und verbreiten menschenfeindliche und antidemokratische Propaganda. Rechtsextreme Sprache und Bilder haben sich in kurzer Zeit über die Sozialen Medien im gesellschaftlichen Mainstream festgesetzt. Im schlimmsten Falle führt dies auch zu konkreter Gewalt – nicht mehr nur online, sondern auch offline.

  

Für eine digitale Zivilgesellschaft: Engagement im Netz

 

Auch Initiativen, NGOs, Vereine und Einzelpersonen nutzen die Möglichkeiten des Internet, um eigene Inhalte in Sozialen Medien und auf der eigenen Internetdomäne zu verbreiten -  sie bewerben Veranstaltungen, organisieren Demonstrationen oder lancieren eigene  Online-Petitionen. Die Möglichkeiten, gesellschaftsrelevante Felder mitzugestalten, haben sich durch die Digitalisierung vervielfältigt. Vor allem die Sozialen Netzwerke funktionieren als Motoren der digitalen Zivilgesellschaft, als Orte der Meinungsbildung.

 

Trotzdem das Internet gleichermaßen als Echokammer und Filterblase funktioniert und vorsortierende Algorithmen die Auswahl der auffindbaren Inhalte beeinflussen, treffen in Sozialen Netzwerken weiterhin Personen aufeinander, die nicht einer Meinung sind und unterschiedliche Weltanschauungen vertreten. Und das ist gut so.

 

Debatten zu führen und Positionen auszuhandeln ist zentraler Bestandteil der Demokratie - dies gilt auch für digitale Räume. Vor allem Facebook, Instagram, Twitter und Youtube sind dabei die Marktplätze von heute, auf denen kommuniziert, verhandelt und auch gestritten wird. Digitale Zivilgesellschaft bedeutet daher auch, für demokratische Werte einzustehen und den vielen Formen von Ausgrenzung, die auf den virtuellen Marktplätzen kursieren, etwas entgegenzusetzen. Die digitale Zivilgesellschaft muss sich aktiv gegen den Hass stellen, über Themen diskutieren und streiten, die außerhalb der eigenen Wohlfühlzone liegen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt sie dabei.

Haltung zeigen im Netz

 

Counter Speech heißt aktive Gegenrede und ist eine Reaktionsmöglichkeit auf rassistische, sexistische oder homofeindliche Vorurteile. Denn wo Hass nichts entgegengebracht wird, sorgt ein stilles Einverständnis dafür, dass sich Ausgrenzung und Vorurteile normalisieren. Einzelpersonen und auch Organisationen nutzen in Sozialen Netzwerken Counter Speech (deutsch: Gegenrede). Sie arbeiten mit Argumenten, legen die Strategien von Hate Speech offen und setzen bei all dem auf Humor. Gegenrede hat das Ziel, vor allem die stillen Mitlesenden zu erreichen. Also jene, die sich nicht äußern oder solche, die noch keine gefestigte Meinung in einer Diskussion haben. Der/Die Gesprächspartner*in selbst ist daher selten vorrangige*r Adressat*in von Counter Speech. Dennoch ist es hilfreich zu erkennen, ob unser Gegenüber offen für Diskussionen und den digitalen Austausch ist, oder auf die eigene Meinung beharrt. Eine Person, die fest in rechtsextremen und rechtspopulistischen Strukturen verankert ist, wird auf ihre Position bestehen und sich nicht von Vorurteilen, Ressentiments und Abneigung abbringen lassen. Neben den still Mitlesenden, die keine feste Meinung zu einem Thema haben, tritt man mit Counter Speech genauso Betroffenen zur Seite und erzeugt Solidarität. Ein notwendiges Signal, wenn Menschen und Initiativen im Netz angegangen und bedroht werden.

  

  

Digitale Courage

 

Digitale Zivilgesellschaft braucht also eine Art digitaler Courage. Wird in der U-Bahn eine Person rassistisch beleidigt oder angegangen, sind Dritte gefragt, die sich einmischen, sich schützend vor die betroffene Person stellen und menschenverachtende Aussagen solidarisch zurückweisen. Genauso muss für die digitale Zivilgesellschaft selbstverständlich sein, dass sich diese Courage auch in der Online-Welt ausdrückt. Wenn Initiativen oder Einzelpersonen von Hasskampagnen überzogen werden oder sogenanntes „Doxing“ - das Offenlegen von privaten und persönlichen Daten im Netz - erfolgt, bedarf es Solidarität und Zuspruch für diejenigen, die im digitalen Fadenkreuz stehen.

 

Genau wie in der analogen Welt braucht es auch digital eine entschlossene Gegendarstellung zu  Hate Speech und gezielten Falschmeldungen - sogenannten „Fake News“. Gleichermaßen kommt es darauf an,  Position zu beziehen und Haltung zu zeigen.

Demokratische Narrative und Framing

 

Die digitale Zivilgesellschaft kann mit eigenen Narrativen und zuversichtlichen Erzählungen über demokratische Werte und kulturelle Vielfalt ein positives Gesellschaftsbild in digitale Räume einbringen. Solche Counter Narratives sorgen für ein von Grund auf positiveres Klima in den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten und in Sozialen Netzwerken.

 

Die alarmistischen Narrative der rechts-alternativen Medienlandschaft wirken wie ein Grundrauschen, dem nur schwer zu begegnen ist. Umso wichtiger ist es, die Stärken und Werte der Demokratie ebenfalls in wirkmächtige Narrative zu übertragen. Die Antwort auf Hass und Hetze sollten eigene “Counter narratives” sein: starke Geschichten und Vorbilder, die – unter Bezug auf die eigene Lebenswirklichkeit – für einen werteorientierten Umgang miteinander, für Menschenrechte und die offene Gesellschaft eintreten. Kurz: Wir müssen lernen, Demokratie und Vielfalt nicht nur zu gestalten, sondern auch zu erzählen.

 

Sprache ist nie neutral, dessen sollten wir uns bewusst sein. Sprache prägt unser Denken, unsere Wahrnehmung und letztlich unser Handeln. “Framing” ist ein Begriff aus der Kommunikationswissenschaft. Er beschreibt, dass jeder Begriff einen bestimmten Deutungsrahmen in unseren Köpfen aufruft, durch den das Wort seine Bedeutung bezieht. Wenn wir beispielsweise das Wort “Flüchtlingswelle” hören, verknüpfen wir die Bereiche Migration und Naturkatastrophe. Die Migrant*innen werden in diesem Bild zu einer Bedrohung, gegen die es sich zu schützen gilt. Die Wiederholung von Worten mit abwertendem, rassistischem oder demokratiefeindlichem Framing prägt entscheidend mit, wie wir denken - in diesem Fall über Menschen, die fliehen. Rechtspopulist*innen nutzen dieses Phänomen, um ihre Weltsicht zu verbreiten. Auch durch die Negation rechtspopulistischer Frames wird der aufgerufene Bedeutungsrahmen im Gehirn gestärkt. Aus diesem Grund gilt es, sprachbewusst eigene Positionen zu entwickeln und rechtspopulist*ische Frames nicht zu übernehmen.


 

  

Das können Sie tun

Sie fragen sich, was Sie für eine demokratische Kultur im Netz tun können? Hier finden Sie einige Vorschläge.

Unsere Unterstützung

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