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Ein km² Bildung für Neubrandenburg

Den offiziellen Start des km² Bildung gestalteten die Mädchen und Jungs der Kita mit und erfreuten die Besucherinnen und Besucher mit plattdeutschen Tanz- und Gesangseinlagen

In einem Quadratkilometer der Neubrandenburger Oststadt setzt sich ein Bildungsbündnis seit Januar 2015 für bessere Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen ein. Diese räumliche Konzentration führt zu einer intensiven Betreuung der Bildungseinrichtungen vor Ort. Bildung gerät so geografisch und thematisch ins Quadrat.

Die Neubrandenburger Oststadt ist wie kein anderer Ortsteil vom Rückgang der Bevölkerung nach 1990 betroffen: dort leben heute nur noch knapp die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner. Vergleichsweise viele der dort ansässigen Menschen haben ein geringes Grundeinkommen, sind auf Unterstützung angewiesen oder kommen aus kinderreichen Familien. Hinzu kommt die besondere Situation der Geflüchteten im Stadtteil, die vermehrt in einem Übergangswohnheim am Rande der Oststadt untergebracht sind. Hierdurch werden auch wieder mehr Kinder in die lokalen Bildungseinrichtungen kommen

Das Projekt reagiert auf die lokal konkreten Herausforderungen und möchte sowohl die Kinder als auch die beteiligten Bildungseinrichtungen bei einer Verbesserung der Situation unterstützen. Hierzu bilden sie ein Bündnis, das die örtlichen Bildungseinrichtungen vernetzt und an einen Tisch bringt. In der Neubrandenburger Oststadt sind unter anderem die vier Kitas und zwei Horte, die „Regionale Schule“, die Grundschule sowie die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge Teil des Bildungsbündnisses. Sie starten motiviert in das Projekt: „Mit Ein Quadratkilometer Bildung und der Pädagogischen Werkstatt haben wir die Chance und hoffentlich auch die Ressourcen, einen roten Faden für die Bildungsbiographie der Kinder zu spinnen“, erklärt Hardi Dräger, Schulleiter der in der Oststadt beteiligten Grundschule Ost „Hans Christian Andersen“.

Konkrete Maßnahmen

Gemeinsam mit diesem Bündnis gehen sie den Fragen nach, was genau die Probleme vor Ort sind und wie konkrete Lösungsvorschläge hierfür aussehen. So entwickeln sie Konzepte zur konkreten Verbesserung der Lern- und Lebensbedingungen der Kinder, die jeweils an die Situation in dem Quadratkilometer angepasst sind. Um auch wirklich nachhaltig etwas vor Ort zu verändern, ist das Programm auf 10 Jahre – bis 2024 – angesetzt. „Nachdem die teilnehmenden Bildungsakteure ihren guten Willen am Anfang bekundet haben, geht es nun richtig los“, berichtet der Projektleiter Thomas Evers motiviert: „Wir fangen an, die dicken Bretter anzubohren und zu schauen, was vor Ort wirklich die Probleme sind“.

Zum Beispiel soll der Wechsel von der Kita zur Grundschule fließend ablaufen, ganz nach dem Motto „kein Kind und kein Jugendlicher darf verloren gehen“. Förderlücken im km² werden identifiziert und gemeinsam eine Lösung gefunden. Hierzu gab es in Neubrandenburg eine erste gemeinsame Fortbildung für die Fachkräfte aus allen acht Einrichtungen mit über 50 Personen zum Thema Bildungsübergänge.Zusammen mit dem Bildungsbündnis setzt „Ein Quadratkilometer Bildung“ innerhalb dieser räumlichen Begrenzung dann die erarbeiteten Konzepte in die Praxis um.

Direkt am Anfang des Projekts ist ebenfalls das „Morgenlesen“ der Grundschule gestartet. Um die Kinder zum Lesen zu ermutigen, tragen bekannte Menschen aus der Neubrandenburger Oststadt Geschichten aus ihren Lieblingsbüchern vor, denen die Kinder gespannt zuhören: „Die Kinder genießen es und wir als km² haben die Chance, weitere Multiplikatoren für unseren Bildungsverbund und die km² Idee zu gewinnen und zu binden“, erklärt Evers erfreut.

Wie geht es weiter?

Aktuell geplant ist ebenso eine Fortbildungsreihe „Kita/Hort interkulturell“ zur alltagsintegrierten Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund und die Unterstützung der „Regionalen Schule“ bei der Weiterentwicklung zu einer Ganztagsschule. Darüber hinaus bezieht das Projekt auch die Eltern direkt in die Arbeit mit ein und sucht Ehrenamtliche, um möglichst viele Menschen und Perspektiven mit einzubinden.

Ein „Quadratkilometer Bildung“ ist ein bundesweites Programm: der erste km² startete 2006 im Berlin-Neuköllner Reuterkiez, seitdem gibt es schon acht km² Bildung in fünf Bundesländern. Zwei weitere Programmorte sind u.a. in Finsterwalde geplant. So sind gute Beispiele von anderen Programmorten auch für die Oststadt nutzbar, aber auch positive Erfahrungen von hier können dann in die Verbesserung der anderen km² mit eingebunden werden.

Die Trägerschaft für das Projekt übernimmt die RAA Mecklenburg-Vorpommern, die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie. Die RAA unterstützt die Entwicklung und Förderung einer demokratischen Kultur des Zusammenlebens in Schule, Jugendarbeit und Gemeinwesen. Sie setzen sich langfristig und nachhaltig für die Menschen- und Kinderrechte vor Ort ein. Wir als Amadeu Antonio Stiftung unterstützen dieses Anliegen sowohl finanziell als aber auch mit unserer langjährigen fachlichen Erfahrung.

Von Imke Kummer

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