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Gute Nachrichten

Erinnerung muss sichtbar sein: Geschichtsbaum für Amadeu Antonio in Eberswalde eingeweiht

Einweihung des Geschichtsbaums in Eberswalde am 7. Juli 2022.

Zum Gedenken an den rassistischen Mord an Amadeu Antonio und zur Erinnerung an ehemalige Vertragsarbeitende in der DDR wurde in Eberswalde ein neuer Geschichtsbaum eingeweiht. Er ergänzt die Gedenktafel an der Eberswalder Straße und wird von der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Stadt Eberswalde gefördert. 

„Ich bin der Stadtverwaltung und den Verordneten sehr dankbar, dass sich jetzt das Leben und der rassistische Mord an Amadeu Antonio offiziell im Gedächtnis der Stadt befindet – in Form des Geschichtsbaums. Das ist nicht selbstverständlich und auch der Erfolg langwieriger Arbeit der Zivilgesellschaft und der afrikanischen Community in Barnim“, erklärt Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, am Tag der Einweihung in Eberswalde.

Wie kann Erinnerungskultur aussehen? 

Ein Geschichtsbaum bietet auf seinen „Ästen“ Platz für unterschiedliche Geschichten in Form von kleinen Texten – eben etwas mehr als die Gedenktafel. Die bisherige Tafel am Tatort wurde oft beschmiert und bietet keinen Platz für Hintergrundinformationen. Der neue Baum, der unweit der Gedenktafel steht, erzählt noch mehr: Hier kann man über das Leben von Amadeu Antonio erfahren, von seinen Träumen in seinem Geburtsland Angola und seiner neuen Heimat Eberswalde. Mehrere einzelne Äste bzw. Tafeln sind dem rassistischen Mord an Amadeu Antonio und dem Gedenken an ihn gewidmet. Auch Kontextinformationen gibt es hier zum Nachlesen, wie zur Geschichte von Vertragsarbeitenden in der DDR.

Eberswalde, 07.06.2022

Die Geschichte der Betroffenen in den Vordergrund stellen

Der Geschichtsbaum erzählt ebenfalls vom Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück, das nur wenige Meter entfernt in Eberswalde lag. Es geht darum, Orte als kontinuierliche Geschichten zu verstehen und das Nachdenken über den ganz persönlichen Umgang damit zu fördern. Der Baum beweist, dass es andere Gedenkmöglichkeiten gibt. Die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark und ehemalige Integrationsbeauftragte des Landkreises, Marieta Böttger, erklärt: “Die junge Generation wird sich ihren eigenen Zugang zu den Geschehnissen und den daraus zu ziehenden Lehren erarbeiten müssen. Mit dem Geschichtsbaum und seinen Informationen ist dafür eine gute Grundlage gegeben.”

Bei der Einweihung des Baums sind unterschiedliche Zeitzeug:innen vor Ort. Sie erinnern sich: „Vor 20 Jahren war es kaum oder gar nicht möglich für Schwarze in Eberswalde Arbeit zu finden. Die Situation war einfach beängstigend.“ Als Reaktion auf die untragbare Situation gründeten sich verschiedene Vereine und Initiativen, die vielfältige Integrations- und Antirassismusarbeit leisten. Der 1994 entstandene afrikanische Kulturverein Palanca e.V. betonte, dass gerade interkultureller Austausch, aber eben auch aktiv gestaltete Erinnerungskultur in Form von Veranstaltungen, zu mehr Verständigung führen können.

Ausschnitt aus dem Geschichtsbaum an der Eberswalder Straße.

Nachhaltige Erinnerungsformen für die Zukunft schaffen: Eberswalde plant Anlaufstelle für Betroffene rassistischer Gewalt

Der Entstehungsprozess des Geschichtsbaums hat dazu beigetragen, dass sich die Beteiligten damit auseinandergesetzt haben, wie die Geschichte einer Stadt zugänglich gemacht werden kann. Die Geschichtsbäume, die an verschiedenen Stellen der Stadt bei der Erinnerung helfen, sind nur einer von vielen Schritten, das Engagement gegen Rassismus und Diskriminerung anzuregen. Allgemein werden noch mehr Antirassismus- und Bildungsarbeit, diverse Anlaufstellen und praktisches zivilgesellschaftliches Engagement benötigt. Das findet auch Sarah Schmidt, die im Referat Soziale Teilhabe und Integration der Stadt Eberswalde tätig ist: “Auch unsere Stadtverwaltung muss diverser werden. Es sind viele kleine Schritte, die hoffentlich dazu führen, dass Rassismus irgendwann keine Rolle mehr spielt.” In diesem Zusammenhang plant die Stadt Eberswalde eine Anlaufstelle für Betroffene rassistischer Gewalt bei der Stadtverwaltung einzurichten. Die Stelle soll in den nächsten Wochen ausgeschrieben werden.

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