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Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Ausschnitt aus dem Titelbild der Studie "Kinder der Einheit - Same same but different". (Quelle: McDonalds-Ausbildungsstudie)

Die einen haben Angst vor „dem Islam“, die anderen vor dem Klimawandel: 30 Jahre nach dem Mauerfall bestimmt die Herkunft aus Ost- oder Westdeutschland das Weltbild junger Menschen stärker als gedacht. Dies zeigt die Studie „Kinder der Einheit – same, same but (still) different“.

Von Esme Buden

„Kinder der Einheit – same, same but (still) different“ ist der Titel der vierten McDonalds-Ausbildungsstudie. Im Frühling 2019 wurden rund 1.600 junge Menschen von 15 bis 25 Jahren in Deutschland nach einer eigenen Einschätzung ihrer Perspektiven, Erwartungen und Wünsche interviewt. Die Ergebnisse geben einen aufschlussreichen Einblick darauf, wie die Generation Z ihre Zukunft und Gegenwart wahrnimmt.

Die alle zwei Jahre stattfindende Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach durchführt, befasst sich mit Themen von der anbahnenden Digitalisierung über die eigene Einschätzung der Aufstiegsmöglichkeiten bis zu den persönlichen Sorgen der Befragten. Es wurden außerdem wichtige gesellschaftliche Streitpunkte angesprochen, wie die Ungleichheit der Geschlechter am Arbeitsplatz oder das Misstrauen in die Politik.

Ost versus West: Chancen und Weltbilder
Die Studie zeigt interessanterweise 30 Jahre nach dem Mauerfall eine immer noch bestehende Kluft zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Die jungen Leute sind fast einstimmig (83%) der Meinung dass es im Westen Deutschlands weit mehr Karrieremöglichkeiten gibt als im Osten (33%). Die Mobilitätsbereitschaft von Osten nach Westen ist sogar doppelt so ausgeprägt wie umgekehrt, was daran liegen könnte, dass eben doppelt so viele Ostdeutsche die Zukunftschancen ihrer Region als weniger gut bewerten als Westdeutsche. Es gibt darüber hinaus einen festen Konsens über die höhere Lebensqualität und die besseren Verdienstmöglichkeiten in den westlichen Regionen Deutschlands.

Nicht nur in wirtschaftlichen Fragen gehen Ost und West auseinander. Die politischen und gesellschaftlichen Sorgen haben bemerkenswerte Unterschiede. So sind junge Ostdeutsche überdurchschnittlich (40%) besorgt über den Einfluss des Islams in Deutschland, sie befürchten, dass Gewalt und Kriminalität zunehmen könnten, und sie sorgen sich über Asylpolitik und die Integration von Geflüchteten. Außerdem haben 40% von ihnen Angst davor, dass Deutschland in einen Krieg involviert werden könnte. Sie fühlen sich zudem unwohl über den demographischen Wandel, der in ostdeutschen Regionen sehr stark ausgeprägt ist. Interessant ist auch das Misstrauen in den Staat und seine Institutionen, das im Osten mit 65% stärker vorherrscht, aber auch im Westen mit 57%, die für „wenig Vertrauen in die Politik“ gestimmt haben, einen wichtigen Faktor darstellt. Im Westen dagegen werden ganz andere Themen in Gewichtung gesetzt: die unter 25-Jährigen sorgen sich vor allem um den Klimawandel, haben Angst vor einem möglichen wirtschaftlichen Abschwung oder den zunehmenden nationalistischen und fremdenfeindlichen Strömungen.

No Future oder endloser Optimismus?
Die Frage nach der Zukunft beschäftigt junge Leute Tag und Nacht. Die Studie befragte sie über ihre Aussichten und Hoffnungen ihres Zukunftsbildes. Und die Ergebnisse waren erstaunlich: 73% der Befragten sehen ihrer beruflichen Zukunft mit Hoffnung entgegen, 64% bewerten die Aufstiegschancen in Deutschland als gut bis sehr gut. Die Generation Z scheint außerordentlich optimistisch, ist überzeugt davon, dass sich Leistung lohnt. Es finden sogar fast doppelt so viele, dass ihre Chancen besser sind als die ihrer Eltern, als vom Gegenteil überzeugt sind. Zudem überschnitten sich die Ansichten der Befragten mit Migrationshintergrund weitgehend mit denen der eher positiv ausgerichteten oberen und mittleren Schicht.

Dennoch teilen die gute Einschätzung über die Aufstiegschancen in Deutschland nur die obere und mittlere soziale Schicht. In der unteren Schicht liegt das Vertrauen auf Aufstiegschancen bei lediglich 46%, und der Statusfatalismus, also die Annahme, dass es unmöglich ist, in eine höhere Schicht zu gelangen, ist mit 31% recht stark ausgeprägt.

20% der Befragten aus der unteren sozialen Schicht sind davon überzeugt, dass sich Leistung nicht lohnt. Das weist auf das Auseinandergehen der sozialen Schere hin. Dazu kommt, dass  trotz der weitgehend optimistischen anmutenden Ansichten dieser Konsens im Vergleich zu den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist.

Die Digitalisierung – kaum eine Bedrohung
Ähnlich positiv wie ihre Aussicht auf die berufliche Zukunft sehen die jungen Menschen die Digitalisierung: 62% von ihnen sind der Meinung, dass die Entwicklung sich positiv auf ihr Leben auswirken wird und das sie insgesamt mehr Vorteile mit sich bringt. Die meisten glauben darüber hinaus aber nicht, dass die Digitalisierung einen sonderlichen Einfluss auf ihr Berufsleben ausüben wird.

Trotz dieses grundsätzlich positiven Fazits über die digitalen Entwicklungen im direkten Umfeld werden einige Aspekte der Digitalisierung auch kritisch bewertet. Die ständige Erreichbarkeit vor allem im Berufsalltag, wenn Arbeitende auch außerhalb ihrer Berufszeiten abrufbar bleiben müssen, wird von 50% der Befragten als kritisch angesehen. Als ebenfalls problematisch empfinden junge Leute, dass sie viel zu viel Zeit mit Medien verbringen, die sie oft auch mit echten sozialen Kontakten verbringen könnten. Oftmals schalten sie dann ihr Smartphone stumm/aus. Außerdem wünscht sich eine Mehrheit junger Leute mehr Vorbereitung auf die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt.

Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern
Die Chancengleichheit im Beruf war schon immer ein kompliziertes Thema. obwohl sich in den letzten Jahren viel gebessert hat und die Frauen ihre beruflichen Entwicklungs- und Aufstiegschancen überwiegend positiv beurteilen, spiegeln sich in dem Ergebnis durchaus schlechte Karriereerfahrungen junger Frauen wieder. Nur jede fünfte glaubt, dass Männer und Frauen gleiche Chancen bei einem Bewerbungsgespräch hätten, während fast die Hälfte der Ansicht ist, das Männer bevorzugt werden würden. Die Meinung der Männer ist ganz ähnlich, wobei sie doch eher etwas weniger mit der Diskriminierung von Frauen rechnen. Gespalten sind dagegen die Meinungen der Männer und Frauen bei der Einführung  einer Frauenquote. Während die jungen Männer eher skeptisch sind – nur 27 % sprechen sich dafür aus – , unterstützen Frauen die Idee einer Frauenquote bis zur Erreichung von mehr Geschlechtergerechtigkeit mit 55%.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Belltower.News. 

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