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Aus der Asche: Das neue „Haus der Demokratie“ in Zossen

Das neue Gebäude. Bei Sonnenschein lässt sich erahnen, was daraus noch werden wird. Foto: Zossen zeigt Gesicht


Das alte Haus wurde zu Asche verwandelt, aber die Ideale leben weiter. Zwei Monate nach dem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie in Zossen ist der Wiederaufbau an einer neuen Stelle in Vorbereitung. Nach einer intensiven Sanierungsphase ist die Eröffnung des neuen Hauses für Herbst 2010 geplant.

„Wir fühlen uns ganz gut, und führen unsere Arbeit mit vollem Optimismus weiter“, sagt Jörg Wanke, Sprecher der Bürgerinitiative Zossen Zeigt Gesicht. „Dass das Haus der Demokratie wiederaufgebaut wird, ist ein wichtiger Schritt für unsere Motivation“. Die ursprüngliche Idee für ein Haus für die gemeinsame Weiterentwicklung demokratischer Strukturen in Zossen ist im Frühling 2009 in der Bürgerinitiative entstanden. In der letzen Januarwoche diesen Jahres wurde das Haus der Demokratie von einem Jugendlichen mit rechtsextremischem Hintergrund abgebrannt. Mittlerweile sind auch noch mehrere Angehörige der Szene in Verdacht geraten.

Aller Angst zum Trotz

„Es wäre übertrieben wenn ich sage, dass wir überhaupt keine Angst haben, wieder angegriffen zu werden“, sagt Wanke. „Zurzeit gibt es auch keine vollendeten Maßnahmen, mit denen wir uns davor schützen können. Aber solche Vorkommnisse wie der Brandanschlag entmutigen uns nicht, sondern dienen als Zeichen, dass wegen des Rechtextremismusproblems das Haus der Demokratie in Zossen benötigt wird. Wir legen die Angst zur Seite, um die Notwendigkeit anzugehen“. Diese wachsende Notwendigkeit, so Wanke, ist auch an der Verstärkung der Webpräsenz der Neonazis in Zossen zu erkennen, von denen eine neue Homepage entstanden ist. Außerdem verweist er auf die fortgesetzte Zusammenarbeit zwischen den Nationalen Sozialisten und den Freien Kameradschaften in Zossen.

Neuer Anfang auf 320 Quadratmeter
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Die Bürgerinitiative freut sich darauf, im neuen Gebäude sogar unter günstigeren Bedingungen zu arbeiten. „Mit dem alten Haus hatten wir uns eher als Mieter verstanden. Durch unseren aktuellen Pachtvertrag ist der Platz für die nächsten 30 Jahre gesichert. Das dient natürlich der Nachhaltigkeit unserer Programme, und der Möglichkeit, eine langfristige Perspektive zu erhalten“. Die Wiedereröffnung des Hauses im Herbst fängt erstmal mit einem Raum und einem Café an, gefolgt von anderen schon laufenden Projekten und früher etablierten Einrichtungen. Dazu zählen ein offener Jugendraum mit Internetnutzungsmöglichkeiten, Probenräume für Jugendbands, die Bürgerzeitung ,,Bürgerstift“ und eine Jobbörse ebenso wie die Geschichts- und Schreibwerkstatt und politische Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus und für mehr Demokratie. Auch das Freigelände wird genutzt: Dort werden Gemüse und Kräuter angebaut, die bei der Zossener Tafel und auf dem Kraut- und Rübenmarkt hoffentlich reißenden Absatz finden.

,,Ein Stück Annerkennung“

Als Ausweichquartiere der Bürgerinitiative hat Bürgermeisterin Michaela Schreiber Räume der Stadt am Kirchplatz zur Verfügung gestellt. „Da sehen wir von Frau Schreiber ein Stück Annerkennung, dass unsere Arbeit wichtig ist“, so Wanke. Die Bürgermeisterin konnte dagegen leider nicht anwesend sein, als während einer von der Bürgerinitiative organisierten Diskussionsrunde über die aktuelle Position der Stadt gegenüber dem Rechtsextremismus gesprochen wurde. Vor drei Wochen wurden lokale Akteure der Stadt, wie Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung dazu eingeladen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Es wird Frühling

Das Projekt „Haus der Demokratie“ wird auf dem Familienfest der Bürgerinitiative ,,Zossener Frühling“ am 18. April vorgestellt. Die gezeigte Solidarität und unermüdliche Unterstützung der Zossenerinnen und Zossener ist der Anlass zur Hoffnung, dass trotz aller neonazistischen Bemühungen der demokratische Geist in Zossen erhalten geblieben ist.

Von Janelle Dumalaon

 

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