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Pride Month statt Stolzmonat: Amadeu Antonio Stiftung fördert Projekte gegen Queerfeindlichkeit

Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt nicht nur im Juni Projekte, die sich für die Sichtbarkeit queerer Lebensrealitäten stark machen, LSBTIQA+ empowern oder sich öffentlichkeitswirksam gegen Queerfeindlichkeit engagieren. Die Förderung unterstützt dabei insbesondere Initiativen in kleinstädtischen und ländlichen Räumen, die auf anderem Wege wenig Chancen auf finanzielle Unterstützung haben.

2024 können und konnten wir diese Veranstaltungen möglich machen:

  • Queeres Straßenfest, Coburg (Bayern)
  • CSD Zwickau (Sachsen)
  • CSD Altenburg (Thüringen)
  • Dyke-March Weimar (Thüringen)
  • Fest der Vielfalt, Bad Neustadt (Bayern)
  • Empowerment-Wochenende für queere BIPoC, Zülpich (Nordrhein-Westfalen)
  • CSD Itzehoe (Schleswig-Holstein)
  • Vortrag „Georg Soros macht unsere Kinder trans? Zum Verhältnis von Antisemitismus und LGBTQ-Feindlichkeit“, Aschaffenburg (Bayern)

Deshalb sind diese Aktionen in diesen Zeiten wichtiger denn je:

Am 1. Juni setzte die Polizei am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Dresden knapp 90 Rechtsextreme fest, die vorhatten, die queere Kundgebung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu stören. Dazu hatte die rechtsextreme Gruppe „Elblandrevolte“ aufgerufen, die auch in Verbindung mit dem gewalttätigen Angriff auf den EU-Abgeordneten Matthias Ecke im Mai in Dresden steht. Auch die Partei „Die Heimat“ meldete eine Kundgebung an, die sich gegen den CSD und damit gegen queere Vielfalt richtete.

Der Hass gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche, agender, nicht-binäre und andere queere Menschen (LSBTIQA+) hat in den letzten Jahren bundesweit zugenommen. Insbesondere trans Personen (vor allem trans Frauen) werden zur Zielscheibe von Diffamierungen und Gewalt. Das ist kein Zufall: Rechtsextreme und rechtskonservative Gruppen haben Antifeminismus und Queerfeindlichkeit längst zu ihren politischen Kernanliegen neben Rassismus und Antisemitismus gemacht. Sie lehnen Geschlechtergerechtigkeit, Feminismus sowie geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung ebenso entschieden ab wie die Gleichberechtigung von LSBTIQA+. Ihre menschenverachtenden Ideologien gründen auf der naturwissenschaftlich längst widerlegten Annahme, es gäbe nur zwei Geschlechter, die sich klar und unveränderbar voneinander unterscheiden.

Brückenideologie Queerfeindlichkeit

Rechtsextreme wie Björn Höcke rufen in den Sozialen Medien in Abgrenzung zum progressiven Pridemonth im Juni zum „Stolzmonat“ und damit zu Diskriminierung und Abwertung auf. Queerfeindlichkeit und insbesondere Transfeindlichkeit dienen als menschenverachtende Brückenideologien: Sie verbinden Gruppen, die sonst eher keine Schnittmengen haben, und sind bis in die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ anschlussfähig. Hier verbreitet sich die falsche Ansicht, Trans-Sein sei ein „Trend“, der von „woken“ Radikalen in westlichen Gesellschaften propagiert werde und die heterosexuelle Kleinfamilie gefährde. Wurden vor 20 Jahren (und teils auch heute noch) Ängste geschürt, indem schwulen Männern ein Hang zur Pädophilie unterstellt wurde, wird mit diesem Mythos heute gegen trans Menschen gehetzt. Aufklärung über Geschlechtervielfalt führe, vorangetrieben durch eine mafiaähnliche „Translobby“, angeblich zu einer Gefährdung von Kindern. Verbindungen zwischen Queerfeindlichkeit und antisemitischen Verschwörungserzählungen sind hier offensichtlich: Einer Minderheit wird unterstellt, eine übermäßig große Macht ausüben zu können, die eine Gefahr darstellt. Rechtsextreme Kampfbegriffe wie „Gendersprache“ (statt „geschlechtergerechte Sprache“) werden medial übernommen und breit normalisiert.

Antifeministische und queerfeindliche Desinformationskampagnen haben ganz reale Folgen: So verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus der Amadeu Antonio Stiftung 2023 schon 149 Fälle von Feindlichkeit gegenüber geschlechtlicher Vielfalt. Die Statistik des Bundeskriminalamtes zu politisch motivierter Kriminalität weist für 2023 in den Bereichen „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ 2.353 Fälle und damit eine Zunahme von 65 Prozent gegenüber 2022 aus. Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.) stellt fest, dass die Meldungen queer- und transfeindlicher Angriffe um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind. Von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen.

Queere Menschen, insbesondere trans Personen, queere BIPoC und LSBTIQA+ in ländlichen Räumen müssen wirksamer vor Gewalt geschützt werden. Flächendeckende Aufklärungs- und Beratungsangebote für Sozialarbeiter*innen, Kommunalpolitik, Sicherheitsbehörden und weitere Fachkräfte sind nötig, um zivilgesellschaftliche Resilienz gegen Queerfeindlichkeit und Hass zu fördern.

Solidaritätsbekundungen dürfen sich nicht auf einen Monat im Jahr beschränken. Engagierte LSBTIQA+ und ihre Unterstützer*innen sind es, die mit ihrem Engagement für breite zivilgesellschaftliche Akzeptanz kämpfen, auf digitalen Plattformen und im Alltag.

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Heute vor sechs Jahren wurde das Urteil im NSU-Prozess gefällt. Ein Urteil, auf das die Angehörigen der Opfer wohl eine gefühlte Ewigkeit warten mussten. Der Prozess selbst dauerte über fünf Jahre, 438 qualvolle Prozesstage. Für viele Menschen, insbesondere jüngere, ist der NSU-Terror inzwischen zu einem Stück zurückliegender Geschichte geworden, das vermeintlich nichts mehr mit heute zu tun hat. Ein Dokumentationszentrum soll erinnern und die Brücke in die Gegenwart schlagen.

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Die extrem rechte Telegramm-Szene während des sächsischen Kommunalwahlkampfes 2024 – EFBI Digital Reports erschienen

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