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Das können Sie tun

Das können Sie gegen Rassismus tun

Gemeinsam für die Gleichwertigkeit aller Menschen

Rassismus findet sich offen und versteckt in Talkshows, Nachrichten oder in der Zeitung, wenn über Menschengruppen herablassend gesprochen und geschrieben wird; bei der Wohnungs- und Ausbildungsplatzsuche, wenn Menschen mit deutsch klingendem Namen viel wahrscheinlicher einen Platz bekommen als andere; in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn Menschen durch Blicke oder Äußerungen abgewertet werden; in Institutionen, wenn Polizeibehörden aufgrund rassistischer Zuschreibungen jahrelang in die falsche Richtung ermitteln; in Kinderbüchern, auf dem Schulhof oder auf Facebook. Rassismus hat schlimmstenfalls tödliche Folgen - das hat unter anderem der Mord an 10 Menschen durch den NSU gezeigt [NSU-Broschüre-Link]- neun davon verloren ihr Leben aus rassistischen Gründen.

Rassismus nicht unkommentiert lassen bedeutet, gemeinsam unsere demokratische Gesellschaft und die Gleichwertigkeit aller Menschen zu verteidigen.

Das können Sie gegen Rassismus tun

Solidarisieren Sie sich mit Personen, die von diskriminierenden und menschenverachtenden Anfeindungen betroffen sind. Es gibt viele Möglichkeiten, an der Seite von Menschen mit Rassismuserfahrungen zu stehen: Zuhören, Unterstützung anbieten, sich mit der eigenen gesellschaftlichen Position auseinandersetzen und Bündnisse bilden sind nur einige davon.

 

Erkennen Sie Rassismus, auch wenn Sie nicht davon betroffen sind, in seinen strukturellen, alltäglichen und gewalttätigen Formen. Um eigene Vorurteile zu reflektieren hilft es zu überlegen: Wie teile ich selbst Menschen in Gruppen ein und warum? Wann verwende ich Worte, die andere – vielleicht, ohne dass ich es will – verletzen oder ausgrenzen? Wenn ich andere frage: „Wo kommst du her? Also ich meine, wo kommst du wirklich her?“, dann signalisiere ich: „Du bist anders. Du gehörst hier eigentlich nicht hin.“ Menschen sollten nicht dazu aufgefordert werden, die eigene Herkunft zu erklären/zu rechtfertigen. Genauso wenig sollten sie nach äußerlichen oder (vermeintlichen) kulturellen Merkmalen eingeteilt und als weniger wert oder weniger gut als ein weiß*  imaginiertes “wir” eingestuft werden.

 

Rassismus beim Namen nennen: Begriffe wie „Ausländerfeindlichkeit“ und “Fremdenfeindlichkeit“ verschleiern, dass Menschen nicht deshalb angefeindet werden, weil sie aus dem Ausland kommen, sondern weil sie aufgrund rassistischer Kriterien beurteilt werden. Diskriminierung aufgrund von Rassismus ist häufig mit anderen Diskriminierungsformen verknüpft (z.B. mit Sexismus oder der Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft). Nehmen wir Artikel 1 des Grundgesetzes ernst, müssen sowohl Alltagsrassismus als auch institutioneller/struktureller Rassismus in seinen alltäglichen wie auch gewalttätigen Formen klar benannt und bekämpft werden, sei es auf der Straße, im Familienkreis, bei der Polizei, in Behörden, Gerichten, Schulen oder auf dem Wohnungsmarkt.

 

Austausch über Rassismuserfahrungen: Rassismuserfahrungen führen oft zu Verunsicherung und Gefühlen von Alleinsein. Sich mit anderen austauschen, eigene Erfahrungen in geschützten Räumen teilen und so verschiedene Betroffenenperspektiven kennenlernen ist oft hilfreich. Das Wissen und das Engagement anderer Betroffener kann empowernd wirken und neue Möglichkeiten eröffnen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt Sie, wenn Sie sich gemeinsam gegen Diskriminierung wehren möchten.

 

Rechtspopulistische Positionen und Argumentationsweisen analysieren hilft, rassistisches Gedankengut zu identifizieren. Lassen Sie sich nicht vom Vokabular der Rechtspopulist*innen verwirren: „Ethnopluralismus“ enthält zwar nicht das Wort „Rasse“, meint aber das-

selbe: “Deutschland den Deutschen”. Statt „Rasse“ stehen hier „Kultur“, „Volk“ oder „Ethnie“. Rechtspopulist*innen und Rechtsextreme propagieren rassistische Instrumentalisierungsversuche auf der Basis vermeintlicher Frauen-, Kinder- oder Homosexuellenrechte. Um diese Strategie zu wissen ermöglicht es, das Vorgehen schneller einordnen und verurteilen zu können.

 

Sich positionieren: „Rasse“ ist ein wirkmächtiges Konstrukt und erfüllt auch heute eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Er erklärt scheinbar, warum nicht-weiße Menschen in Deutschland - jene, die als nicht-deutsch, also vermeintlich nicht wirklich zugehörig angesehen werden - anders als weiße Deutsche meistens weniger bis keine gesellschaftlichen Zugänge zu wichtigen Ressourcen haben. Nicht-weiße können beispielsweise oft nicht an Wahlen teilnehmen, sind kaum oder schlecht in den Medien repräsentiert und müssen häufiger ohne Staatsbürger*innenschaft leben, was eine Diskriminierung in fast allen Lebenslagen zur Folge hat. Rassismus verfestigt also ungerechte Machtverhältnisse. Aus diesem Grund bleibt es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen, dass es keine biologischen “Rassen” gibt, und eine Abwertung bestimmter Gruppen menschen- und demokratiefeindlich ist.

 

Vorurteilen und Zuschreibungen widersprechen macht deutlich, dass Sie rassistische, abwertende und verachtende Aussagen nicht teilen. Es lässt sich nicht am Aussehen anderer erkennen, wie diese sind und ob sie sich zugehörig oder fremd in einer Gesellschaft fühlen sollen. In Diskussionen geht es nicht immer darum, den oder die Gegenüber zu überzeugen. Wichtiger ist oft, gegenüber Umstehenden, die unsicher sind, deutliche Positionierungen und eine klare Haltung zu zeigen. Die Menschenrechte müssen jedoch stets Grundvoraussetzung für den demokratischen Diskurs sein. Diese Grenzen des Sagbaren sind dort erreicht, wo Menschen aus rassistischen Gründen ausgegrenzt werden.

 

Reflektieren: Nicht von Rassismus betroffen zu sein, ist mit sozialen, politischen und kulturellen Privilegien verbunden. In Hinblick auf die Partizipation an gesellschaftlichen Ressourcen profitieren Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind - und zwar unabhängig davon, wie sie persönlich zu diesen Ideologien stehen. Reflektieren Sie als weiße Deutsche Ihre eigene gesellschaftliche Position und Ihre rassistische Prägung in der Sozialisation.

 

* weiß dient nicht zur Bezeichnung einer Hautfarbe, sondern zur Kennzeichnung der politischen Position, in der Menschen keine Rassismuserfahrungen machen.

Wissen und Werkzeug

Sich engagieren

Sich gegen Rassismus einsetzen bedeutet, unsere demokratische Gesellschaft zu verteidigen. Rassismus hat viele Gesichter und drückt sich beispielsweise als Feindschaft gegenüber geflüchteten Menschen, gegenüber Sinti und Roma sowie als antimuslimischer Rassismus oder Antisemitismus aus.

  • In Initiativen engagieren - Setzen Sie sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, indem Sie sich in einer der vielen Initiativen und (Selbst-)Organisationen engagieren, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte, gegen rassistische Diskriminierung und Gewalt engagieren. Oder gründen Sie selbst eine Initiative mit Gleichgesinnten: Die Amadeu Antonio Stiftung berät, fördert und vernetzt Projekte.
  • Austauschen - Der Austausch über eigene Rassismuserfahrungen in geschützten Räumen kann hilfreich sein und empowern. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt Sie, wenn Sie sich gemeinsam gegen Diskriminierung wehren möchten.
  • Diskutieren - Diskutieren Sie und beziehen Sie in Auseinandersetzungen klar Position gegen Rassismus. Gewalt und Menschenfeindlichkeit finden nicht nur auf der Straße statt, sondern auch im Netz. Informieren Sie sich zum Umgang mit Hate Speech und "Fake News"/Desinformation - auch darüber, wie Sie sich selbst online schützen können.
  • Räume prägen - Sie wollen Räume nicht Demokratiefeind*innen überlassen? Zeigen Sie zum Beispiel durch Demonstrationen, dass rechtsextremes und rechtspopulistisches Gedankengut in unserer Gesellschaft unerwünscht sind.
  • Willkommenskultur gestalten - Das entzieht Rechtsextremen und Rechtspopulist*innen den Nährboden für ihre Hetze.
  • Vernetzen - Der Kampf für Menschenrechte und eine demokratische Zivilgesellschaft ist schwieriger, wenn alle alleine und an unterschiedlichen Ecken arbeiten. Daher ist es sinnvoll und hilfreich, sich mit anderen demokratischen Akteur*innen zu vernetzen.
  • Eintreten - für die bedingungslose Gleichwertigkeit aller Menschen. Insbesondere zur Unterstützung pädagogischer Fachkräfte haben wir hierfür zahlreiche Handreichungen verfasst (z.B. "Läuft bei dir". Konzepte, Instrumente und Ansätze der antisemitismus- und rassismuskritischen Jugendarbeit, 15 Punkte für eine Willkommensstruktur in Jugendeinrichtungen).

Spenden

Aktive brauchen eine Menge Mut und einen langen Atem, um wirksam gegen Hate Speech, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus im Netz vorgehen zu können. Daneben erleichtert eine verlässliche Finanzierung die Arbeit in ihren Projekten und Initiativen.

 

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass wir bundesweit und jeweils vor Ort die Macher*innen unterstützen und damit eine demokratische digitale Zivilgesellschaft stärken.

   

  

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Mit Betroffenen solidarisieren

  • Rassismus drückt sich in Gedanken, Worten und Handlungen aus. In etlichen Gegenden in Deutschland sind nicht-weiße Menschen - jene, die als nicht-deutsch angesehen werden - in Gefahr, angepöbelt oder gewalttätig angegriffen zu werden. Zeigen Sie Ihre Solidarität mit Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt - online und offline.
  • Wenn von Rassismus betroffene Menschen von ihren Erfahrungen erzählen, hören Sie ihnen zu, nehmen Sie sie ernst und geben Sie ihnen Raum, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Diese Menschen erleben in Deutschland täglich erniedrigende, verletzende, gewaltvolle Äußerungen und Übergriffe. Ihr Wissen und ihre Expertise im Kampf gegen Rassismus sollten gehört, wertgeschätzt und in die Regelstrukturen überführt werden.
  • Rassistische Erfahrungen in Deutschland machen kann sehr belastend sein. Es kann helfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die ähnliche Erfahrungen machen. Auf diese Weise können Sie sich gegenseitig unterstützen, Handlungsstrategien entwerfen und sich zusammen wehren. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt Sie gerne dabei.
  • Rassismus durchdringt unsere gesamte Gesellschaft: Solidarität ist deshalb sowohl bei der Konfrontation mit Alltagsrassismus als auch angesichts von struktureller und institutioneller Diskriminierung notwendig - zum Beispiel auf dem Wohn- oder Arbeitsmarkt, in den Medien oder bei racial profiling durch die Polizei.
  • Mischen Sie sich ein, wenn Sie rassistische Beleidigungen oder Angriffe mitbekommen. Lassen Sie die Betroffenen nicht alleine, auch nicht nach dem Angriff. Fragen Sie sie, wie es ihnen geht, und bieten Sie Unterstützung an. Schätzen Sie die Situation gut ein und holen Sie sich Unterstützung. Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr, sondern rufen Sie wenn nötig die Polizei. Bieten Sie den Betroffenen nach dem Angriff an, sie zu einer Beratungsstelle zu begleiten.
  • Sie können Selbstorganisationen von Betroffenen, Migrant*innenselbstorganisationen oder Empowermentinitiativen unterstützen, die sich für die Rechte von Geflüchteten, Sinti und Roma und gegen antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus einsetzen. Oder Initiativen, die mit Betroffenen rechter und rechtsextremer Gewalt zusammenarbeiten.
  • Setzen Sie sich für die Stärkung der Rechte von Minderheiten ein. Der Schutz vor Diskriminierung von Minderheiten ist in den Menschenrechten verankert.
  • Ungleichheiten lassen sich nicht als “entweder-oder” verstehen. Eine lesbische Frau of Color wird nicht entweder als Frau oder rassistisch oder als Homosexuelle diskriminiert. Verschiedene soziale Kategorien sind miteinander verwoben und wirken sich, je nach Kontext, auf soziale Benachteiligung oder gesellschaftliche Zugänge aus. Menschen können also gleichzeitig mehreren benachteiligten oder diskriminierten Gruppen angehören und damit mehreren Formen von Ausgrenzung ausgesetzt sein. Aus diesem Grund macht es beispielsweise Sinn, sich für geschützte Frauen*LesbenInterTrans*-Räume einzusetzen.Erinnern Sie an die Opfer rechter Gewalt, unterstützen Sie Opferangehörige und fordern Sie staatliche Aufklärung, beispielsweise im NSU-Komplex.
  • Der häufigen Bagatellisierung der alltäglichen rechten Gewalt durch Teile der Polizei, Justiz und Politik steht das jahrelange beispielhafte Engagement von zahlreichen Initiativen gegen Rechtsextremismus gegenüber. Staatliches Versagen sollte benannt und Täter*innen zur Verantwortung gezogen werden. Die (lokale) demokratische Zivilgesellschaft muss gefördert werden.
  • Spenden Sie für unseren Opferfonds CURA, der Betroffene rechter Gewalt unterstützt.

Sie sind von rechter Gewalt betroffen?

 

Für Betroffene rechter Gewalt gibt es eine Vielzahl von Anlaufstellen, die zur Beratung, Begleitung und Unterstützung aufgesucht werden können. Unser Opferfonds CURA unterstützt Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt schnell und unbürokratisch mit finanziellen Mitteln.

Beratungsstellen

Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg: http://www.adnb.de/de/

Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS): https://adas-berlin.de/

EACH ONE TEACH ONE (EOTO) e.V. : https://www.eoto-archiv.de/antidiskriminierungsberatung/

ENTKNOTEN – Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus und Diskriminierung: https://www.alltagsrassismus-entknoten.de

Anlaufstellen in Berlin bei rassistischer Diskriminierung: http://www.anlaufstellen-berlin.de/doku.php?id=auslaendische_herkunft:diskriminierung

juma - Empowerment für junge Musliminnen und Muslime: http://www.juma-ev.de/crossover-empowerment/