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„Die Wende der AfD führt zur DDR 2.0“ – Newsletter September 2019

"Die Wende der AfD führt zur DDR 2.0" - Newsletter September 2019

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

die Wahlen in Sachsen und Brandenburg sind vorbei - jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Die Wahl wurde ausgerechnet auf den 1.September gelegt, auf dieses historische Datum, als Deutschland die Welt in Brand setzte. Vor genau 80 Jahren überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und begann einen Vernichtungskrieg, den es so bis dahin nicht gegeben hatte. Nicht Eroberung allein, sondern Vernichtung war das Ziel des Angriffs. Dass dieses ungeheuerlichen Verbrechens in seinem 80. Jahr so wenig gedacht wurde, passt zu den Wahlerfolgen der AfD. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Brandenburg fantasierte erst kürzlich der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland von der "Machtergreifung" seiner Partei. Die Folgen von Krieg und Vernichtung heute zu kennen und trotzdem AfD zu wählen, deutet - um es vorsichtig zu sagen - darauf hin, dass dies den Wählern im besten Fall egal ist. Sie können heute nicht mehr sagen, sie hätten nichts gewusst. Das war damals schon gelogen, denn sie hätten es wissen können. Heute den gleichen Parolen hinterherzulaufen, kann also nicht mehr als naiv erklärt werden.

Die Karten auf dem Tisch, und nun? Was heißt das? Jetzt erst Recht für Demokratie und Menschenrechte? Ja, gewiss, das ist selbstverständlich. Gerade jetzt brauchen alle unsere Unterstützung, die unter immer schwierigeren Bedingungen in Projekten für gesellschaftliche Vielfalt engagiert sind. Das zu betonen und dafür zu werben wird in den nächsten Jahren Priorität haben. Denn vieles wird sich ändern und für das, was bisher selbstverständlich schien, wird es noch mehr Mut brauchen als bisher. Die Drohungen werden stärker, der Druck erhöht sich. Und bedauerlicherweise werden viele, die sich engagieren, auf einen neuen Opportunismus stoßen. Das präventive Zurückweichen vor Schwierigkeiten, die von Rechtsradikalen in den Parlamenten kommen könnten, wird leider zum Alltag der Engagierten gehören.

Die Karten auf dem Tisch heißt aber auch, dass mehr Menschen endlich verstehen, worum es geht. Wir erleben hier gerade einen Kulturkampf. Die AfD macht uns ein Paradox vor: Sie sagt, sie wolle die DDR 2.0 verhindern und sei selbst die vollendete Wende. Das Gegenteil ist aber richtig. Die AfD will einen Staat, der autoritär ist, Vielfalt der Menschen und Meinungen unterbinden will, eine ethnische und politische Homogenität erzwingen will und am liebsten alle Grenzen schließen möchte. Das IST die DDR 2.0. Die Wende vor 30 Jahren aber war genau die Abkehr von diesem eingesperrten Leben. Die Grenzen sind gefallen und es kam endlich Leben in die Bude. Dass es schwer war, daran gibt es keinen Zweifel. Aber die Menschen wollten nicht mehr eingesperrt und bevormundet werden. Sie wollten den Anschluss an die Welt, an die Moderne. Wenn die AfD nun behauptet, sie wäre die Wende, sie wäre die Moderne, dann ist das absurd. Einfach das Gegenteil davon zu behaupten, was die Wirklichkeit ausmacht, erinnert an Kinder die immer nur "nein, nein, nein!" sagen, wenn man sie, da es spät ist, ins Bett schicken will. "Aber es ist doch schon dunkel draußen", sagen die Eltern. "Nein, nein, nein! Gar nicht!!" antworten diese Kinder.

Es stimmt, es hat etwas Komisches und sollte mit rationalem Verhalten kurierbar sein. Aber so ist es eben nicht. Um Rationalität oder Realität geht es der Neuen Rechten nicht. und genau das macht sie so gefährlich, denn sie sind keine kleinen Kinder. Was hier versucht wird, ist die Zeit und die Entwicklung zurückzudrehen. Hinter die Normen der Menschenrechtskonvention, hinter die Normen des Grundgesetzes und hinter die Normen des historisch mit viel Blut bezahlten Anstands der Deutschen nach dem Ende des verheerenden Krieges.

Die Karten liegen auf dem Tisch. Es sollte nun allen klar werden, was hier auf dem Spiel steht. Nicht Ost und West, ländlicher Raum und Städte, nicht Konservative und Alternative, Deutsche ohne und mit Migrationsgeschichte stehen hier gegeneinander. Sondern der Aufbruch in eine neue, ökologischere und gerechtere Moderne in demokratischer Vielfalt oder der Rückfall in Isolation und Homogenität mit all ihren bösartigen Konsequenzen.

Wer letzteres nicht will, sollte jetzt handeln und die Mutigen unterstützen, die sich für demokratische Kultur vor Ort einsetzen. Für Ihre Spende möchte ich mich schon jetzt bedanken, auch im Namen aller Projekte, die wir mit Ihrer Unterstützung fördern!

Herzliche Grüße,

Ihre Anetta Kahane

Anetta Kahane

Im Fokus

Ermutigen. Beraten. Fördern. Ihre Spende hilft!

Wahlschock? Wir haben was dagegen! Keine Zeit, in Schockstarre zu verfallen - jetzt gilt es, aktiv zu werden und diejenigen zu unterstützen, die sich für Demokratie stark machen. Unzählige Engagierte lassen sich von rechtsradikaler Stimmungsmache nicht einschüchtern und setzen sich unbeirrt für ein demokratisches Miteinander ein. Dafür brauchen sie Ihre Unterstützung. Spenden Sie jetzt für mutige Initiativen vor Ort.

  

Geförderte Projekte

Aktuelle Publikation

Demokratie in Gefahr - Handlungsempfehlungen im Umgang mit der AfD

Im 70. Jahr des Bestehens wird das Grundgesetz wie wohl noch nie von innen angegriffen. Ein maßgeblicher Akteur ist der parlamentarische Arm der radikalen Rechten: die Alternative für Deutschland. Bei den Angriffen geht es um zentrale Prinzipien unserer Verfassung, wie Menschenwürde, Gleichstellung, Presse- und Religionsfreiheit. Mit der Handreichung unterstützen wir all jene, die von Angriffen der AfD betroffen sind: Engagierten in Zivilgesellschaft, Medien, Kunst, Parlamenten, Bildungsarbeit und anderen Bereichen wollen wir Informationen Hand geben.

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Redaktionsschluss: 01. August 2019

 

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Redaktion: Robert Lüdecke, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane