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Sorge um die Heimat

Hier entsteht ein Raum zum Geschichten erzählen: Der Instagram-Kanal der Initiative "Sachsen eine Stimme geben"

Sie sind in Sachsen aufgewachsen, aber ihr Leben hat sie an andere Orte geführt. Es treibt sie um, dass rassistische Stammtischparolen in Sachsen immer mehr zur Normalität zu werden scheinen. Die Exilsachsen rufen das Projekt „Sachsen eine Stimme geben“ ins Leben, und werden dabei von der Amadeu Antonio Stiftung unterstützt. Wir haben mit Lisa, André und Dirk gesprochen.

Dirk ist in einem kleinen Dorf südlich von Leipzig großgeworden. Wenn er im Restaurant seiner Eltern den Gesprächen der Stammtisch-Gäste zuhört, dann geht es oft um „die da oben“, Geflüchtete, „Das muss man ja mal sagen dürfen“. Heute wohnt er in Berlin, aber es beschäftigt ihn, was in seinem früheren Zuhause geschieht. Und nicht nur ihn: Im Vorfeld der Landtagswahlen hat sich eine Gruppe von „Exilsachsen“ zusammengefunden – und will gegen Menschenfeindlichkeit aktiv werden. „Wir alle machen uns Sorgen: Wie geht denn das zu Hause weiter? Das entwickelt sich in eine Richtung, die wir nicht unkommentiert stehen lassen wollen“ fasst André, Sachse in Moskau, die Überlegungen der Gruppe zusammen. Der sächsische Geschäftsmann hat nach wie vor die Tageszeitung seiner Heimatstadt aus der Oberlausitz abonniert. Aber was kann man aus der Ferne tun?

Die Engagierten möchten einen virtuellen Raum zum Austausch schaffen. Auf Instagram gestalten sie den Kanal „Sachsen eine Stimme geben“. Jeden Tag bis zur Landtagswahl am 1. September wird ein Kurzvideo, ein Zitat, eine Diskussionsanregung gepostet. So entsteht ein Ort, an dem Menschen ins Gespräch kommen. „Wir möchten mit unserem Projekt nicht die großen Phrasen dreschen, sondern die Menschen ins Herz treffen“, erklärt Dirk. Für ihn steht fest: „Mit Statistiken und Argumenten stößt man sehr schnell an eine Wand.“ Stattdessen wollen er und seine Mitstreiter*innen der Angst und Hass schürenden Rhetorik eine Menge positiver und Mut machender Geschichten entgegensetzen. Mit dabei ist auch die ehemalige Eiskunstläuferin Kati Schneider.

In den Beiträgen äußern sich Sächs*innen, die Weltoffenheit, Vielfalt und ein solidarisches Miteinander als Teil ihres Lebens sehen – egal ob geblieben oder in die Welt gezogen. Damit entsteht ein anderes Bild von Sachsen als das, was die mediale Berichterstattung zeichnet. „Ich finde es total schade, dass Sachsen im Moment nur mit diesen lauten, krakeelenden Stimmen wahrgenommen wird. Denn Sachsen ist total vielfältig und bunt!“ berichtigt Lisa. Ein heterogenes Bild des Landes zu zeichnen, in dem sich auch Menschen, die nicht mit der AfD sympathisieren, wiederfinden, ist enorm wichtig, um das politische Selbstbewusstsein derer zu stärken, die zwar nicht politisch organisiert sein mögen, aber dennoch AfD-Positionen ablehnen.

Die Lage ist ernst: Schon auf der Oppositionsbank übe die AfD massiven Einfluss aus. Schon jetzt finde sie Wege, die staatliche Förderung ihr unliebsamer Organisationen zu erschweren. Wie die Stimmung im Land ist, zeigt sich auch daran, wie wenige aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Engagierten sich vor der Kamera äußern möchten: „Die Angst, öffentlich zerrissen zu werden, ist immens hoch“, berichtet Dirk.

Dennoch sind mehr als 10 Stunden Filmmaterial zusammengekommen. Die ersten Beiträge sind bereits online, und jeden Tag dürfen wir uns auf neue Geschichten freuen! Wer mitdiskutieren, erzählen, kommentieren möchte, ist dazu auf https://www.instagram.com/sachseneinestimmegeben herzlich eingeladen.

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