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Update zum Spendengewitter für Jenny – Antisemitismus ist kein Witz

Auf Gewitter folgt Sonnenschein: Gemeinsam konnten wir zeigen, dass viele Leute für einen da sind, wenn Hilfe gebraucht wird, weil man zu Unrecht und Antisemitismus nicht schweigt.

Wie ungeniert Antisemitismus auf der Straße und im Netz geäußert wird, sehen wir nicht erst seit dem Angriff der Hamas auf Israel oder den Debatten im bayrischen Wahlkampf, Stichwort Aiwanger-Flugblatt. Umso wichtiger ist es, Hass und Verunglimpfungen der Opfer des Holocaust und neuer Pogrome nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Eintreten gegen Judenhass fordert persönliche Zivilcourage – wie sie Jenny Havemann 2021 gezeigt hat und dafür vor Gericht gezogen worden ist. Nach mehr als zwei Jahren hat sie nun diese langwierige juristische Auseinandersetzung mit Erfolg beenden können.

Die einstweilige Verfügung von Gewitter im Kopf gegen Jenny ist vom Tisch, und dank erfolgreicher Feststellungsklage steht auch kein rechtlicher Weg mehr offen, gegen das letzte Urteil anzugehen. Nur dank Ihrer und Eurer Hilfe konnten wir diesen Weg beschreiten und zu Ende gehen. Selbst nachdem das Landgericht Köln in erster Instanz die einstweilige Verfügung und damit die Position von Gewitter im Kopf bestätigt hatte, ließ sich Jenny nicht einschüchtern. Ihre und Eure Spenden machten es möglich, die Anwalts- und Gerichtskosten auch für die nächste Instanz zu stemmen – bis endlich das Oberlandesgericht Köln mit deutlichen Worten die Darlegungen von Gewitter im Kopf zurückwies und Jennys Widerspruch gegen den ungeschnittenen Upload eines Videos bestärkte, das Anne Frank verunglimpfte.

Damit sind jetzt auch die von uns ausgelegten Gerichts- und Anwaltskosten rückerstattet worden. Es freut uns riesig, dass wir Eure großzügigen Zuwendungen nun – wie für diesen Fall versprochen – „umwidmen“ und in die praktische Arbeit fließen lassen können. Wie angekündigt, werden alle eingegangenen Spendengelder je zur Hälfte dem Kampf gegen Antisemitismus und der Arbeit gegen die Diskriminierung von Tourette-Betroffenen zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns besonders, die Tätigkeit des InteressenVerbands Tic & Tourette Syndrom e.V. in diesem Bereich mit 8.330 Euro zu unterstützen. Und die Initiativen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus mit dem gleichen Betrag fördern zu können.

Der InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V. setzt sich dafür ein, die Lebenssituation von Tic- und Tourette-Betroffenen zu verbessern. Und hilft mit pädagogischen Angeboten, Aufklärungsfilmen und anderen Programmen, Vorurteile abzubauen und ein positives und unterstützendes Umfeld für Menschen mit dieser Erkrankung zu schaffen.

Die Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus finden gerade in diesen Tagen statt – mit dem Schwerpunkt Antisemitismus im Alltag – zu einem Zeitpunkt, an dem offener Judenhass wieder allerorts um sich greift. Die Massaker des 7. Oktober und die ihnen folgende neue Welle an offenem Antisemitismus aus allen gesellschaftlichen Milieus stellen die Initiativen und uns alle vor große Herausforderungen.

Jenny Havemann selbst bekommt kein Geld aus den Spenden, hat aber, wie sie schreibt, dennoch viel gewonnen: „mehr Vertrauen in den Rechtsstaat und das gute Gefühl zu wissen, dass viele Leute für einen da sind, wenn Hilfe gebraucht wird, weil man zu Unrecht und Antisemitismus nicht schweigt“. An alle Menschen, die mit Spenden geholfen haben, schreibt sie: „Ihr seid wunderbar! Denn Ihr habt gezeigt, dass auch auf Social Media Widerspruch gegen Verachtung und Solidarität vorhanden und Betroffene nicht allein sind.“

Danke für Ihre und Eure Zuwendungen und die vielen ermutigenden Worte, die mit den Spenden mitgesandt wurden! Lasst uns gemeinsam dem neuen und alten Antisemitismus mit dem gleichen Mut und der Ausdauer entgegenstehen, die Jenny und alle Unterstützer*innen in diesem Prozess gezeigt haben!

 


Der ursprüngliche Spendenaufruf

Das Landgericht Köln hat eine einstweilige Verfügung gegen Jenny Havemann erlassen, weil sie online auf Antisemitismus – die Verhöhnung des Holocausts in einem YouTube-Video – reagiert und dabei das Wort „Nazi“ benutzt hatte. Die entsprechende Sequenz hat „Gewitter im Kopf“ nach Jennys Kritik gelöscht. Doch statt ihren Followern zu erklären, wie sie heute zu ihrem „Witz“ beim Kuchenbacken („in den Ofen, grüß Anne Frank von mir“) stehen, und sich öffentlich von Antisemitismus zu distanzieren, ist „Gewitter im Kopf“ nun juristisch gegen Jenny vorgegangen.

Gegen die Verfügung hat Jenny Widerspruch eingelegt. Das Risiko aus Prozess- und Anwaltskosten beläuft sich, falls sie verliert, auf etwa 10.000,- Euro. Um dieses Risiko zu tragen, braucht Jenny unsere Hilfe.

Wenn Jenny den Prozess gewinnt, werden sämtliche Spenden weiter gegeben: 50 % an Projekte, die sich gegen Antisemitismus engagieren, und 50 % an solche, die gegen die Diskriminierung von Menschen mit Tourette arbeiten. Denn Antisemitismus und Ableismus dürfen nicht ohne Widerspruch stehen bleiben. Niemals.

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