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„Verantwortlich dafür, wie es weitergeht“ – Das Zeitzeugenprojekt „George, wir hier!“ in Oranienburg

Der Überlebende George Shefi im Gespräch mit den Schüler*innen. (c) YouTube

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. 75 Jahre später erleben wir, wie Rechtsradikale erinnerungspolitische Wenden um 180 Grad fordern und antisemitische Angriffe zum Alltag von Jüdinnen und Juden in Deutschland gehören. In diesen Zeiten sind Projekte, die sich mit Antisemitismus und dem Gedenken an den Nationalsozialismus befassen wichtiger denn je. Besonders wenn dabei die Perspektiven von Betroffenen in den Vordergrund gerückt und Jugendliche nachhaltig für das Thema Antisemitismus sensibilisiert werden.

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„George, wir hier!“ ist genau so ein Projekt. Fachoberschüler*innen des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums in Oranienburg befassten sich im Rahmen von drei Projektwochen in Kooperation mit dem Institut für Neue Impulse e.V. intensiv mit Antisemitismus und den Erinnerungen von Zeitzeugen. Die Begegnung mit dem jüdischen Zeitzeugen George Shefi, dessen Mutter und Tante im Konzentrationslager ermordet wurden und der selbst durch einen Kindertransport nach England überlebte, steht dabei im Mittelpunkt. Am 9. November präsentierten die Schüler*innen das Erlebte in einem interdisziplinären Theaterstück, das sie gleich dreimal aufführten. Ein Rückblick auf ein besonderes Projekt, das wir im letzten Jahr fördern konnten:

Die Aufführung beginnt mit einem Schock: Das Theaterpublikum wird in einen Raum geführt und willkürlich voneinander getrennt. Es geht hektisch zu – sie werden nach rechts und links in unterschiedliche Räume geführt. Dazu sind immer dieselben Sätze zu hören, die nicht nur auf die Zeit von 1934 bis 1945 sondern auch auf heute bezogen werden können. Sie alle beginnen mit „Ich lebe in einem Land“ und endeten dann mit Sätzen wie „in dem Rechtsextremismus ein Problem ist“. Der Bezug zur heutigen Zeit ist auch Shefi besonders wichtig, der sich sichtlich besorgt zeigt, angesichts der Ereignisse in Halle oder den bestehenden Problemen mit Neonazis in Deutschland. Seine Zusammenarbeit mit den Schüler*innen sieht er vor allem als einen Beitrag gegen einen herbeibeschworenen „Schlussstrich“: „Die Leute sagen hier in Deutschland man solle den Holocaust vergessen und weitergehen. Doch das ist nicht richtig und deswegen komme ich immer wieder hierher“.

Weiter geht es in zwei unterschiedlichen Räumen, in mehreren multimedialen Präsentationen erzählen die Schüler*innen was sie durch den Zeitzeugen erfahren haben. Am Ende kommt George Shefi selbst zu Wort und berichtet eindrücklich von seinem Leben: „Meine Geschichte ist überhaupt gar nicht wichtig, was wichtig ist – das andere Leute wissen, es gibt auch hier und heute Probleme mit Neonazis“. In der letzten Phase der Performance können sich die Gäste mithilfe von Zetteln selbst an Shefi wenden. Sowohl die Schüler*innen als auch Shefi sind sichtlich bewegt von der besonderen und intensiven Zusammenarbeit. Der Überlebende sieht die Schüler*innen auch über das Projekt hinaus in der Pflicht, nicht für das, „was damals war, aber sie sind verantwortlich dafür wie es weitergeht.“

 

Weitere Eindrücke vom Projekt und der Vorführung gibt es hier:

 

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Adriano 1 (c) Christian Ditsch

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