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Zivilgesellschaftliches Engagement in Zeiten von Corona

Von Charlotte Sauerland

Zivilgesellschaftlichen Initiativen in Ostdeutschland engagieren sich in Corona-Zeiten unter erschwerten Bedingungen. Bei einem Netzwerktreffen am 11.05.20 tauschen sich Aktive aus Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin über ihre Erfahrungen aus und diskutieren, welche kreativen Formate jetzt nötig sind.

Für manche ehrenamtlich Aktive bedeutet die Pandemie eine Art Zwangspause. Denn Lesungen, Ausstellungen und Proteste gegen Rechtsrockkonzerte können nicht wie geplant stattfinden. Große Veranstaltungen werden verschoben. Die erzwungene Inaktivität setzt vielen zu – der persönliche Kontakt zu anderen Engagierten fehlt. Die Unklarheit, wann Veranstaltungen wieder wie vorher stattfinden können, verunsichert. Und einige Ehrenamtliche stecken in wirtschaftlichen Nöten. Fördermittelgeber machen in den meisten Fällen glücklicherweise keinen Druck. Einige Teilnehmer*innen fürchten allerdings niedrigere Spendeneinnahmen am Ende des Jahres aufgrund der Corona-Pandemie.

Viele Initiativen machen trotzdem weiter. Teammeetings und Bündnistreffen finden als Videokonferenz statt.  Onlineformate werden ausprobiert. „Es bleibt gar nicht so viel Zeit für Konzeptualisierung, wie ich dachte“, erzählt ein Teilnehmer, „wir haben viel zu tun“.

Viele Engagierte berichten von zunehmendem Rassismus gegenüber Geflüchteten. In Stralsund wurden Geflüchtete angespuckt, berichtet eine Teilnehmerin aus Mecklenburg-Vorpommern. In Gemeinschaftsunterkünften wird viel zu wenig über die ergriffenen Corona-Maßnahmen informiert. Das Radio Refugee von Cagintua e.V. versucht dem etwas entgegen zu setzen und informiert in Radiobeiträgen über die Maskenpflicht. An vielen Orten finden sogenannte „Hygiene-Demos“ statt. „In Sachsen gibt es solche Proteste gerade fast täglich an unterschiedlichen Orten, teilweise mit mehreren Hundert Teilnehmenden“, schildert ein Mitglied des Netzwerks Tolerantes Sachsen, „Zum Beispiel in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Plauen, Aue, Schwarzenberg, Pirna, Torgau, Wurzen, Bautzen, Zittau …“

Kira Ayyadi von Belltower News berichtet beim Austauschtreffen darüber, wie die radikale Rechte in Zeiten der Corona-Pandemie agiert. Verschwörungserzählungen zu einem angeblichen „tiefen Staat“, zu 5G-Verschwörungen und der vermeintlichen Rolle einzelner Unternehmer wie Bill Gates, so Ayyadi, verbreiten sich in weiten Teilen der Gesellschaft. Gewinner der Pandemie seien sogenannte alternative Medien, die Verschwörungsmythen verbreiten. In Telegram-Channels, auf youtube und bei „Hygiene-Demos“ würden sich derzeit auch Menschen radikalisieren, die vorher noch nicht in der extrem rechten Szene unterwegs waren.

Die digitale Zivilgesellschaft steht noch vor einigen Herausforderungen. Denn einige Zielgruppen, wie z.B. Schulen, sind mit digitalen Formaten nicht so leicht erreichbar. Und Videokonferenzen schließen manche Engagierte aus, die nicht das technische Knowhow oder Equipment haben. Datenschutz ist ein weiteres großes Thema. Doch die Initiativen lassen sich nicht unterkriegen. Sie haben schon viele neue Formate ausgetestet und einige gute Erfahrungen gemacht. Webinare funktionieren schon ganz gut, erzählt eine Teilnehmerin aus Mecklenburg-Vorpommern. Digitale Bürger*innenforen mit gut vorbereiteten Sprecher*innen und klarer Moderation sind ein Beispiel aus Sachen. Auch telefonische, teils mehrsprachige Ansprechstellen für Ehrenamtliche und für Geflüchtete mit Informationen zur Pandemie und den Maßnahmen stoßen auf positive Resonanz.

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Adriano 1 (c) Christian Ditsch

„Warum Adriano?“ – Tag der Erinnerung 2020

Vor 20 Jahren wurde Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark von drei jungen Erwachsenen aus der Naziszene ermordet. Am 11. Juni 2020, 20 Jahre später, wollen wir erneut den Tag der Erinnerung an Alberto Adriano und alle anderen Todesopfer rechter Gewalt begehen.

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