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Gefördertes Projekt

Politische Bildung hautnah: Ferien im Mittelalter

Das geschichtsträchtige Delitzsch mit der malerischen Altstadt nördlich von Leipzig ist bei Mittelalterfans weit über die sächsischen Landesgrenzen hinaus bekannt. Bei dem beliebten Delitzscher Stadtfest mit einem historischen Markt werden jedes Jahr zahlreiche Besucher:innen zurück in eine Zeit mit Rittern, Burgen und barocken Kostümen versetzt. Ein von der Amadeu Antonio Stiftung gefördertes Projekt des Soziokulturellen Zentrums „Mittendrin“ e.V. greift diese historische Verbindung Delitzschs auf, um Schulkinder und Jugendliche durch eine kreative Auseinandersetzung mit dem Mittelalter für demokratische Werte zu sensibilisieren.

Denn Delitzsch ist mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Neben der malerischen Altstadt gibt es dort auch ein großes Plattenbauviertel mit vielen einkommensschwachen und bildungsfernen Haushalten. Politikverdrossenheit und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind dort an der Tagesordnung. Während der Pandemie hat sich die Lage im Stadtviertel Delitzsch-Nord weiter verschlechtert, Lehrkräfte und Sozialpädagog:innen berichten über eine wachsende Ungleichheit und Entfremdung an Schulen. Ein Teil der Schüler:innen verliert im Homeschooling den Anschluss – nicht nur schulisch, sondern auch gesellschaftlich. Fehlende Anerkennung in Schulen und Vereinen und ein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl gefährden den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt.

Genau hier wird das Soziokulturelle Zentrum „Mittendrin“ e.V. aktiv. Seit Jahren fördert es kulturelle und demokratische Bildung durch unterschiedliche Projekte. Neben Ganztagsangeboten, AGs und Ferienworkshops an der benachbarten Erasmus-Schmidt-Schule bietet das Zentrum auch Treffs für Senior:innen an, ist unter anderem Träger einer Kita und einer Mutter-Kind-Wohngruppe für Familien mit Suchtproblematik. Ein neues Projekt des Zentrums soll nun Demokratiebildung und Selbstwirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen miteinander verknüpfen, bestehend aus einem Ferienworkshop, einer historischen Modenschau und der Entwicklung einer Handreichung für Lehrer:innen und Pädagog:innen.

In dem Workshop, der voraussichtlich in den Herbstferien stattfinden wird, werden Nähen, kreatives Gestalten, literarische Stoffe und geschichtliche Fakten miteinander verbunden. Es geht um das Ständewesen, aber auch Geschlechterrollen und der Umgang mit Hexen und der Pest sollen thematisiert werden. Dabei können viele Parallelen zur Gegenwart gezogen werden: Auch wenn es das Ständesystem nicht mehr gibt, werden Menschen in Deutschland heute leider immer noch häufig in Menschen erster und zweiter Klasse unterteilt. Unabhängige, rothaarige Frauen landen heute nicht mehr auf dem Scheiterhaufen, werden aber trotzdem als Hexen beschimpft und sexistisch bedroht, wenn ihr Verhalten von der Rolle einer stets devoten und untergebenen Frau abweicht. Während der Pest wurden Jüdinnen:Juden für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich gemacht – und auch heute suchen antisemitische Verschwörungsideolog:innen die Schuld an der Coronapandemie bei Jüdinnen:Juden.

Neben der eher ernsthafteren historischen und politischen Bildung soll der Workshop aber auch Spaß machen. Ziel ist, dass die Teilnehmer:innen selbst ein mittelalterliches Kostüm nähen, sich in etwas einarbeiten, Hilfestellung bekommen und am Ende ihre Selbstwirksamkeit durch ein Erfolgserlebnis erfahren. Denn nach dem Workshop haben sie nicht nur ein tolles Kostüm, das sie selbst anziehen können. Die Ergebnisse des Workshops werden im Anschluss auch in einer historischen Modenschau der Öffentlichkeit präsentiert. So wird historische und politische Bildung mit Ferienspaß verwoben.

Mehr zum Soziokulturellen Zentrum „Mittendrin“ gibt es hier: https://www.mittendrin-skz.de/

Das Projekt wird von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert.

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