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Regina Jonas – Eine Ausstellung über die „Erste“

Ausstellung in der Neuen Synagoge Berlin, Foto: Stiftung Neue Synagoge Berlin, c


Regina Jonas war für lange Zeit die erste Rabbinerin der Welt, dieses Jahr würdigte die Neue Synagoge Berlin mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung ihr Leben und Wirken mit einer Ausstellung zum 75. Ordinationsjubiläum derselben.

Rabbinerin Regina Jonas kann als ein letztes Zeichen jüdischen kulturellen Lebens im Deutschland der Hitlerzeit gesehen werden, Sie war eine Kämpferin, die trotz widrigster Umstände erreichte was lange zuvor und lange danach unmöglich erschien. Und Sie ist eine stumme Zeugin dessen, was das Naziregime zerstört hat: Gleichberechtigungsbewegung, kulturelles Leben, Bildung.

Ihr zu Ehren konnte man dieses Jahr in der Neuen Synagoge eine Ausstellung über ihr Leben und ihr Wirken besuchen. Auf unterschiedlichen Tafeln waren die verschiedenen Lebensstationen Jonas aufgezeigt worden.

„Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt“

Regina Jonas wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Berliner Scheunenviertel auf, damals ein stark jüdisch geprägtes Wohnviertel. Ab 1924 studierte Sie an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Sie war zwar nicht die einzige Frau, aber die Einzige, die als erklärtes Ziel hatte Rabbinerin zu werden. Nach dem Studium hielt Sie ab 1930 Übungspredigten, schon hier wurde ihr bescheinigt eine „denkende und gewandte Predigerin“ zu sein. 1935 konnte Sie dann endlich die mündliche Prüfung zur Rabbinerin ablegen, eine unglaubliche Leistung! Die erste Rabbinerin der Welt zu werden, noch dazu in einem Land in welchem die gesamte Religionsgemeinschaft verfolgt wird.

In den Wirren und im Terror der Judenverfolgung betreute Jonas viele verschiedene Gemeinden, schaffte es aber auch eigene Abhandlungen zu schreiben, von denen die meisten leider bis heute verschollen sind. Die erhaltenen Bruchstücke zeigen aber eine emanzipatorische Gedankenwelt – nicht unbedingt als Feministin, aber als Forderin von Gleichberechtigung im traditionellen Judentum. Gerade das macht Sie noch bedeutender, noch einzigartiger und ist ein weiterer Beweis für das immer noch facettenreiche religiöse und kulturelle Leben, welches die jüdischen Gemeinden trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aufrechterhalten konnten. Ihr Leben endete viel zu früh in Theresienstadt: Eine Frau die zu einem der bedeutendsten Köpfe einer ganzen Religion hätte werden können wurde wie so viele andere ermordet.

Gegen das Vergessen

Lange Zeit blieb ihr Wirken unbekannt, die „neue erste“ Rabbinerin wurde erst in den siebziger Jahren in den USA ordiniert. Die „neue erste“, weil bis hierhin Regina Jonas in Vergessenheit geraten war. In Deutschland dauerte es sogar bis in die neunziger Jahre bis wieder eine Frau dieses Amt bekleidete. Gerade um diese Frau, die ihrer Zeit auch etwas zu weit voraus zu sein schien, zu ehren, ist es wichtig sie durch eine Ausstellung, wie sie in der Neuen Synagoge stattfand, in Erinnerung der Menschen zu behalten. Mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung konnte dies verwirklicht werden. Umso erfreulicher ist es, dass die Ausstellung so gut besucht wurde und nun in die englische Sprache übersetzt wird, auch um Regina Jonas wieder weltweit den Status zu geben, den diese Frau als Vorreiterin in so vielen Dingen und als Mahnmal gegen Intoleranz verdient.


Von Fabian Sieber

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