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Das können Sie tun

Das können Sie gegen Antifeminismus tun

(c) PMCheung

Gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt

Rechtsextremismus und Rechtspopulismus richten sich gegen feministische Errungenschaften und Forderungen sowie gegen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Sie sprechen von “Gender-Wahn” und stören sich daran, wenn stereotype Geschlechterrollen hinterfragt werden. Diese Angriffe auf Emanzipation und Gleichstellung sind demokratiegefährdend. Die Ablehnung vielfältiger Lebensformen und Rollenbilder  ist jedoch auch in breiten Teilen der Gesellschaft verbreitet.

 

Viele Menschen haben andere Einstellungen zu Gleichstellung und Feminismus und zeigen, dass wir alle etwas dagegen tun können: Stehen wir gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt ein und hinterfragen stereotype Rollenbilder!

Sich positionieren

Diskriminierende Äußerungen hinnehmen trägt zur Normalisierung von Antifeminismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit bei. Es ist wichtig, Haltung gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung zu zeigen: In der Öffentlichkeit, in der Familie, in Freund*innenkreisen, in der Schule, online und offline.

  • Erkennen und benennen Sie Antifeminismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit als das, was sie sind: menschen- und demokratiefeindlich. Davon sind vermeintliche Witze auf Kosten von Minderheiten nicht ausgenommen.
  • Verteidigen Sie demokratische Errungenschaften emanzipativer Bewegungen, wie das Recht auf weibliche Selbstbestimmung und gleiche Rechte für alle Menschen in allen Lebensbereichen.
 
  • Analysieren Sie rechtspopulistische Positionen und Argumentationsweisen, um antifeministisches, homofeindlichen und trans*feindliches Gedankengut und andere menschenfeindlichen Einstellungen zu identifizieren. Rechtspopulisten instrumentalisieren in ihrer Kommunikation Homosexuellenrechte, Kinderrechte und Frauenrechte. 
  • Unterschiedliche Diskriminierungsformen zusammen denken: Im Kontext von Antifeminismus sollten immer auch andere menschenfeindliche Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus berücksichtigt werden.
  • Ermutigen Sie diejenigen, die für eine geschlechtergerechte und vielfältige Gesellschaft eintreten - beispielsweise indem Sie sich auch in Diskussionen einmischen. Eine klare Haltung ist auch im Netz wichtig.

 

Wissen und Werkzeug

#respektcheck

Kurze und leicht verständliche Antworten auf die gängigsten Vorurteile über Lesben, Schwule und Trans*Personen.

Frau-Mann? Mutter-Vater-Kind? Da gibt’s doch noch mehr!

 

Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität gelten in unserer Gesellschaft überwiegend als selbstverständlich und naturgegeben. Der damit verbundene Zwang zur Einordnung in die Kategorien ´Mann´ und ´Frau´ diskriminiert Menschen, die sich darin nicht wiederfinden. Es gibt nicht nur zwei Geschlechter, sondern eine Vielfalt von biologischen und sozialen Geschlechtern und individuelle Möglichkeiten der Identifikation. Menschen, deren geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen jenseits von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität liegen, oder die Geschlechterstereotype nicht erfüllen (wollen), erleben in ihrem Alltag häufig Diskriminierung.

 

Für viele Menschen bedeutet Familie nicht die Orientierung an einer traditionellen Mutter-Vater-Kind-Konstellation: Manche Kinder haben zwei Mütter, zwei Väter, Eltern, die sich weder als Mann noch als Frau verorten, oder mehr als zwei familiäre Bezugspersonen. Manche Familien leben ohne Kinder. Unhinterfragte Annahmen von vermeintlich normalen Lebensweisen führen dazu, dass diese Menschen vielerorts Ablehnung, Benachteiligungen und Anfeindungen ausgesetzt sind.

Rechtspopulistische und rechtsextreme Instrumentalisierung erkennen

Antifeministische Positionen verschmelzen meistens mit rechtsextremen Gedankengut. Die biologistische Geschlechterideologie der „Volksgemeinschaft“ ist aber auch sehr anschlussfähig für die Mehrheitsgesellschaft. Rechtsextreme und Rechtspopulist*innen nutzen andere Themen, um auf sich aufmerksam zu machen und neue Mitglieder und Stimmen zu werben. Auf diese Weise knüpfen sie verstärkt an Bürger*innenproteste an. Antifeminismus fungiert so als Scharnier zwischen Rechtsextremen und der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Einige Beispiele:

  • Instrumentalisierung von Frauenrechten: Rechtextreme nutzen Frauenrechte strategisch, um sich in rassistischer Weise gegen Migrant*innen zu positionieren (mehr zum Mythos „übergriffiger Fremder“ und der Instrumentalisierung des Themas sexueller Missbrauch). Neben der Verschränkung von Sexismus und Rassismus zeigt sich in Teilen auch eine Verschränkung mit antisemitischen Narrativen, wenn beispielsweise Stolpersteine mit Namen von mutmaßlich durch Geflüchtete getöteten Frauen überklebt werden. Dies stellt eine massive Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus und eine Relativierung der Verbrechen der Shoah dar.
  • Instrumentalisierung von Homosexuellenrechten: Gleichstellung oder Homosexuellenrechte finden im rechtspopulistische Gender-Diskurs Platz, um  die Errungenschaften des „Abendlandes“ gegen Muslim*innen in Stellung zu bringen.
  • Instrumentalisierung von Kinderrechten: Pädagogische Arbeit unter Einbeziehung nicht heteronormativer Lebensweisen/sexueller Vielfalt diffamieren sie als „Frühsexualisierung“ (zu Homo- und Trans*feindlichkeit in der Schule).

(c)PM Cheung Photogaphy, sog. "Frauenmarsch" rechtspopulistischer Akteure am 9.6.2018 in Berlin

Sich engagieren

Viele Menschen engagieren sich bereits gegen Antifeminismus, Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit - für eine demokratische Gesellschaft der vielfältigen Lebensweisen! Was Sie tun können?

  • Sich austauschen: Diskriminierungserfahrungen aufgrund des eigenen Geschlechts oder der eigenen sexuellen Orientierung können zu Verunsicherung, Gefühlen von Alleinsein bis hin zu ernsthaften Erkrankungen führen. Es kann helfen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und eigene Erfahrungen in geschützten Räumen zu teilen. Daraus lassen sich Möglichkeiten entwickeln, gemeinsam für die eigenen Rechte und Lebensweisen einzustehen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt Sie, wenn Sie sich gemeinsam gegen Diskriminierung wehren möchten.
  • Eine Initiative gründen mit Gleichgesinnten: Die Amadeu Antonio Stiftung berät, fördert und vernetzt Projekte.
  • Bündnisse bilden und sich mit anderen Initiativen und demokratischen Akteur*innen austauschen, die zu ähnlichen Themen aktiv sind.
  • Selbstorganisationen unterstützen, die sich für die Einhaltung von Menschenrechten engagieren - gerade im ländlichen Raum braucht es Unterstützung und Solidarität.
  • Geschlechtergerechte Sprache macht alle Geschlechter sichtbar: Das ist wichtig, denn Sprache prägt unser Denken.    
  • Setzen Sie sich für gleiche Rechte und gesetzliche Änderungen ein, z.B. im Bereich Ehe, Geschlechtseintrag, Asyl für queere Geflüchtete etc. Denn neben der gesellschaftlichen Diskriminierung müssen auch strukturelle und institutionelle Diskriminierung problematisiert werden, z.B. die geringe Gültigkeit des dritten Geschlechtseintrages, die pathologisierende und teure Gutachtenpflicht für eine Personenstandsänderung und Geschlechtsangleichung, die Nichtbeachtung besonderer Bedürfnisse queerer Geflüchteter und die geringe Förderung von Projekten gegen Homo- und Trans*Feindlichkeit.

Spenden

Aktive brauchen eine Menge Mut und einen langen Atem, um wirksam gegen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Antifeminismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit vorgehen zu können. Daneben erleichtert eine verlässliche Finanzierung die Arbeit in ihren Projekten und Initiativen.

 

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass wir bundesweit und jeweils vor Ort die Macher*innen unterstützen und damit eine demokratische Zivilgesellschaft stärken.

 

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Sich mit Betroffenen solidarisieren

Auch heute noch prägen Homo- und Trans*feindlichkeit das Leben von Menschen, die sich jenseits heterosexueller Beziehungskonzepte und geschlechtlicher Eindeutigkeiten bewegen. Und auch Frauen erleben regelmäßig Beleidigungen, Belästigung oder Übergriffe im öffentlichen wie privaten Raum. Solidarisieren Sie sich mit Betroffenen, die aufgrund ihres Geschlechts, stereotyper Rollenzuschreibungen oder ihrer Sexualität von Ausgrenzung und Gewalt betroffen sind. Es ist wichtig, einander zu unterstützen!

  • Es gibt viele Möglichkeiten, an der Seite von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen zu stehen: Zuhören, ernst nehmen, sich mit der eigenen gesellschaftlichen Position auseinandersetzen, Unterstützung anbieten und Bündnisse bilden sind nur einige davon.
  • Wenn Sie Menschen mit Diskriminierungserfahrungen unterstützen wollen ist es immer sinnvoll, sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen zu orientieren.
  • Sie können Selbstorganisationen von Betroffenen und Empowermentinitiativen unterstützen, die sich für die Rechte von Frauen, Homosexuellen, Inter* und Trans*menschen einsetzen. Oder Initiativen, die mit Betroffenen rechter und rechtsextremer Gewalt zusammenarbeiten.
  • Setzen Sie sich für die Stärkung der Rechte von Minderheiten ein. Der Schutz vor Diskriminierung von Minderheiten ist in den Menschenrechten verankert.
  • Die Anerkennung der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung jeder Person ist ein Zeichen des Respekts. Im persönlichen Kontakt freuen sich viele Menschen über die Frage, wie sie adressiert bzw. mit welchem Pronomen sie bezeichnet werden möchten.
  • Ungleichheiten lassen sich nicht als “entweder-oder” verstehen. Eine lesbische Frau of Color wird nicht entweder als Frau oder rassistisch oder als Homosexuelle diskriminiert. Verschiedene soziale Kategorien sind miteinander verwoben und wirken sich, je nach Kontext, auf soziale Benachteiligung oder gesellschaftliche Zugänge aus. Menschen können also gleichzeitig mehreren benachteiligten oder diskriminierten Gruppen angehören und damit mehreren Formen von Ausgrenzung ausgesetzt sein. Aus diesem Grund kann es beispielsweise Sinn machen, sich für geschützte Frauen*LesbenInterTrans*-Räume einzusetzen.
  • Es ist wichtig, Übergriffe zu melden und Unterstützung für sich oder andere Betroffene zu holen, z.B. bei Beratungsstellen. Wenn Sie Zeug*in von Beleidigungen, Belästigungen oder Übergriffen im öffentlichen Raum werden, können Sie eingreifen, indem Sie Kontakt mit der betroffenen Person aufnehmen und/oder Hilfe holen. Suchen Sie sich Unterstützung in Ihrem direkten Umfeld und rufen Sie notfalls die Polizei. Das Melden von Übergriffen trägt zu einer höheren Sichtbarkeit des gesellschaftlichen Problems bei.

Welche Funktion haben stereotype Geschlechterrollen?

Traditionelle Geschlechterrollen, Vorstellungen vom „richtigen Mann“ und das Bild der „deutschen Mutter“ prägen den modernen Rechtsextremismus. Diese Geschlechterrollen sind ein zentrales Element der vorgestellten deutschen Volksgemeinschaft -  ohne sie würden rechte Gruppierungen und ihre Ideologie nicht funktionieren. Das Problem starrer Vorstellungen von Geschlechterrollen lässt sich jedoch nicht an einen extrem rechten Rand projizieren, vielmehr handelt es sich um ein Phänomen, das bis in die Mitte unserer Gesellschaft verbreitet ist. Aus diesem Grund ist es wichtig:

  • eigene Geschlechtervorstellungen und deren Entstehung zu reflektieren
  • Geschlechterstereotype in Frage zu stellen und biologistische Zuschreibungen von Männer- und Frauenrollen abzulehnen
  • auf die Funktion von Geschlechterbildern für Einstiege in die rechte Szene hinzuweisen
  • die Vielfalt von geschlechtlichen Identitäten und die Selbstbestimmung sexueller Orientierungen anzuerkennen
  • Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sichtbar und erfahrbar zu machen

Rechtsextreme (potentielle) Täterinnen wahrnehmen

Frauen werden insgesamt weniger als politisch und als Täterinnen wahrgenommen. Frauen gelten häufig als Mitläuferinnen in der rechtsextremen Szene und qua Geschlecht als „friedfertig“, weniger gewalttätig und ungefährlicher als rechtsextreme Männer. Dadurch können sie oft unerkannt agieren. Dieses Phänomen wird als „doppelte Unsichtbarkeit“ beschrieben. Eine gendersensible Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus ist daher überfällig:

  • Rechtsextremismus ist kein rein „männliches Phänomen“. Gleichzeitig entsprechen nicht alle rechtsextremen Männer dem Klischee des “rechten Mannes” (“Stiefelnazi”).
  • Rassistische und rechtsextreme Vorfälle und Straftaten von Frauen müssen als solche benannt werden. Frauen müssen als politische Akteurinnen ernst genommen und auch als potentielle Täterinnen in Betracht gezogen werden.
  • Versuche der Instrumentalisierung von Frauen- oder Kinderrechten durch Rechtsextreme müssen aufgezeigt werden. Es zeigt sich, dass insbesondere Frauen als Organisatorinnen, Anmelderinnen und Rednerinnen im Themenfeld Rassismus und Sexismus glaubhaft(er) Ängste schüren und der Forderung nach dem Schutz von „deutschen“ Frauen und Kindern Nachdruck verleihen können.
  • Es braucht eine gesellschaftliche Aufklärung rechtsextremer Straftaten: auch rechtsextreme Frauen müssen zur Verantwortung gezogen werden!
  • Im Bereich Rechtsextremismusprävention braucht es eine geschlechterreflektierte Arbeit mit Jugendlichen für demokratische Werte.

Beratung und Unterstützung

Wenn Sie in Ihrem Umfeld mit Rechtsextremismus oder Rechtspopulismus konfrontiert werden und Beratung und Handlungstipps brauchen, können Sie sich an die Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus wenden, die es in allen Bundesländern gibt. Eine Liste nach Bundesländern gibt es hier.

 

Wenn Sie von rechter Gewalt betroffen sind können Sie sich hier Unterstützung holen:

 

L-Support | Lesbisch | Bi | Queer Victim Support https://l-support.net/

LesMigraS - Hotline https://lesmigras.de/hotline.html

Trans* und Inter Beratungsstellen deutschlandweit https://transintersektionalitaet.org/?page_id=261