Mit 25.092,75 Euro unterstützte der Opferfonds CURA Betroffene rechter Gewalt. Auffällig ist in diesem Jahr, dass viele Gewalttaten im direkten Wohnumfeld und somit in nächster Nähe zu den Rückzugsorten der Betroffenen stattfanden. Ein Rückblick.
Von Sarah Haupenthal und Anton Lehmann
Kurz nach ihrem Einzug in die neue Wohnung entdeckte Frau V. verwundert Zigarettenstummel und Asche in ihrem Briefkasten. Schnell wurde klar, dass dies kein Zufall war, sondern ein erster Einschüchterungsversuch einer Nachbarin. Deren systematische rassistische Anfeindungen und Bedrohungen nahmen in der Folge kontinuierlich zu. Sie gipfelten in einem tätlichen Angriff, begleitet von rassistischen und antisemitischen Beleidigungen. „Du gehörst hier nicht her“ – das war die klare Botschaft an Frau V.
Von der Polizei wurde die Situation nicht ernst genommen, stattdessen wurde Frau V. abfällig behandelt und das Verfahren kurz darauf eingestellt. Auch nachdem es durch das Einwirken einer Opferberatungsstelle wiederaufgenommen wurde, zeigte sich keine Besserung der Situation, sodass sich Frau V. zum Umzug gezwungen sah. Der Opferfonds CURA unterstützte sie dabei.
Dieser Fall von Bedrohung aus dem direkten Wohnumfeld, der die Betroffenen in ihrem eigenen Zuhause trifft, ist nicht der Einzige, sondern steht beispielhaft für eine ganze Reihe von Fällen, in denen der Opferfonds CURA im Jahr 2018 Unterstützung leisten musste. Die Betroffenen wurden mit verbalen Bedrohungen über tätliche Angriffe bis zu angezündeten Autos direkt neben ihren Wohnhäusern konfrontiert.
Häufig werden die Fälle von den Ermittlungsbehörden nicht ernst genommen oder die Täter*innen sind nicht zu ermitteln. Schnell kommt es zur Einstellung von Verfahren. In solchen Fällen wird der Opferfonds CURA aktiv und übernimmt Kosten für die Akteneinsicht durch Anwält*innen, um die Ermittlungen wieder anzuschieben.
Mit insgesamt 25.092,75 Euro unterstützte der Opferfonds CURA im Jahr 2018 Betroffene rechter Gewalt (Stand: November 2018). Neben Anwaltskosten ging es hierbei vor allem um die Unterstützung bei der Erstattung von Alltagsgegenständen, ohne die die Betroffenen stark in ihrem Leben eingeschränkt wären. So unterstützte CURA Herrn R. beim Kauf eines neuen Handys, das er dringend benötigt, um im Notfall die Polizei zu rufen und Kontakt zu seiner Familie in Syrien zu halten, oder auch Familie S. mit einem symbolischen Anteil beim Kauf eines neuen Autos. Zuvor war das alte Auto bei einem Brandanschlag vollkommen ausgebrannt, und Herr S. ist auf das Auto für den täglichen Weg zu seiner Arbeit angewiesen. In weiteren Fällen beglich CURA die anfallenden Kosten von Übersetzungen, die für die gerichtliche Aufarbeitung rassistischer Gewalttaten notwendig waren, wie Ärzt*innenberichte oder Therapeut*innengespräche.
Bei den meisten Fällen handelte es sich um rassistische Angriffe, oft „Gelegenheitstaten“, jedoch auch geplante Überfälle. So wurde in einem Fall der Betroffene in einen Hinterhalt gelockt, dann brutal zusammengeschlagen und letztlich mit schweren Verletzungen alleine zurückgelassen.
Am 20. September dieses Jahres jährte sich zudem zum zweiten Mal der Tod des damals 34-jährigen Eugeniu Botnari. Der Wohnungslose wurde beim Stehlen durch den damaligen Filialleiter André S. der Edeka-Filiale im Bahnhof Berlin-Lichtenberg beobachtet. Statt die Polizei zu rufen und die Tat anzuzeigen, verprügelte er Botnari mit Quarzhandschuhen in einem verschlossenen Raum der Filiale. Zwei Tage nach der Tat verstarb Eugeniu Botnari an den Folgen der brutalen Misshandlung. Zusammen mit anderen Initiativen und Anwohner*innen erinnerte der Opferfonds CURA am diesjährigen Todestag an das Opfer und warnte vor dem gesellschaftlichen Rassismus und der Feindlichkeit gegen Obdachlose, die diese Tat ermöglichten.
Dass der Opferfonds CURA Betroffene rechter Gewalt unterstützen kann, verdanken wir unseren Spender*innen. Stellen auch Sie sich an die Seite Betroffener rechter Gewalt – mit einer Spende an den Opferfonds CURA.