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#BeAMensch

#BeAMensch - Solidarisch in Zeiten der Corona-Krise

Die Zeit der Corona-Pandemie ist die Zeit für Menschlichkeit. Gerade in anstrengenden und gefährlichen Situationen für die Gesellschaft ist Menschlichkeit das, was sie davor bewahrt, in Barbarei abzugleiten. Dass die Welt still steht, um das Leben von Menschen zu retten, ist ein gutes Zeichen für die Menschheit. Es könnte auch ganz anders sein und der Schutz von Schwachen gar nicht zählen.

Aber genau das wollen wir nicht. Das Leben ist wichtiger, das Leben aller, egal wer sie sind. Um diese Ethik wirklich in der Realität zu leben, braucht es, was die Juden einen „wahren Menschen“ nennen.

Worum gehts?

In der Tradition des Judentums steht das Leben, das Lebendige, über allen Geboten. Wenn es um ein Menschenleben geht, ist alles andere nebensächlich. Weder Politik noch Religion sind in diesem Moment wichtiger. Denn es heißt: „Wenn ein Mensch stirbt, stirbt eine ganze Welt.“ Jedes einzelne Individuum ist einzigartig in seinen Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Jeder Mensch ist eine ganze Welt und darum unverzichtbar. Im Judentum gibt es keine Verheißung auf ein späteres Leben nach dem Tod, deshalb ist die Gegenwart, das Lebendige, das Diesseitige so bedingungslos schützenswert.

Ein wahrer Mensch zu sein, beinhaltet diese Einzigartigkeit. Es bedeutet, das Beste am Gegenüber zu schätzen, zu bewundern und hervorzuheben. Ein Mensch, ein wahrer Mensch, ist jemand, der oder die gerecht handelt, anderen Menschen hilft, der sozial, warmherzig, zugewandt handelt.

„Ein Mensch“ ist eine Bezeichnung, die eine Person besonders würdigt. Diese Redewendung kommt aus dem Jiddischen und wird überall auf der Welt benutzt. Heutzutage ist es üblich, auf diese Weise mit einer gewissen ehrfürchtigen Anerkennung über jemanden zu sprechen. Er illustriert in wunderbarer Weise, was Menschsein und Menschlichkeit bedeutet bzw. bedeuten sollte.

Ein wahrer Mensch kann jeder sein. In jeder Situation neu.

In der Zeit der Corona-Pandemie wird von allen viel erwartet. Auf Abstand bleiben und dabei ein Mensch sein. Die eigene Verantwortung wahrzunehmen als etwas, das man selbstverständlich tut – für andere und für sich selbst.

Wenn die Situation schwieriger wird, die Leute ungeduldiger, die Anspannungen größer, wird sich zeigen, ob jemand menschlich bleibt und auch über den eigenen Schatten springen kann. Deshalb ist es anständig und eben menschlich, nicht nur die eigenen Interessen zu sehen oder die der eigenen Gruppe, sondern auch die Not derer wahrzunehmen, die es besonders schwer haben.

Die Situationen in den Unterkünften von Geflüchteten ist an vielen Orten schwer. Auf engem Raum leben Menschen, die sich fürchten. Sie fürchten sich vor Krieg, vor Abschiebung und vor einer hasserfüllten Atmosphäre, die ihnen auch hier begegnet. An sie zu denken, sie zu unterstützen, gerade jetzt, erfordert ein Mensch zu sein.

Das gleiche gilt für andere Gruppen wie Wohnungslose oder Menschen mit Behinderungen. In Krisen brechen Vorurteile oft wieder auf, die man überwunden geglaubt hat. Ausgegrenzte in der Gesellschaft fühlen sich in einer solchen Krise ohnmächtig, isoliert und ausgeliefert. Deshalb ist es umso wichtiger, ein wahrer Mensch zu sein und sich zu kümmern.

Alte Menschen im Betreuten Wohnen und in Pflegeheimen sind in diesen Tagen ganz besonders von der Corona-Krise betroffen – nicht nur als Risikogruppe: Die soziale Isolation trifft sie besonders hart. Ein Mensch zu sein, bedeutet hier: In Kontakt bleiben, zuhören, und so gut es geht unterstützen.

Gefährlich ist die Situation auch für Betroffene von häuslicher Gewalt. Für sie ist die eigene Wohnung kein Schutzraum, vielmehr sind sie darauf angewiesen, möglichst viel Zeit außerhalb der eigenen vier Wände verbringen zu können – in der Schule, am Arbeitsplatz, im Hort. Diese Menschen brauchen jetzt ganz besonders unsere Unterstützung: Offene Türen, aufmerksame Ohren, ein offenes Herz.

Dass Menschen viel Zeit zu Hause und im Netz verbringen, führt aber auch dazu, dass Verschwörungsideologien und Hate Speech Hochkonjunktur haben. Zivilcourage heißt jetzt mehr denn je, rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Mobilisierungen in den sozialen Netzwerken entschieden entgegenzutreten. 

Deshalb: #BeAMensch! Achten Sie auf sich und kümmern Sie sich um diejenigen, die am Rande stehen. Seien Sie großzügig, geduldig, hilfsbereit – nicht nur in der eigenen Familie. Seien Sie ein Mensch. Und bleiben Sie gesund.

Rassismus und Corona

Seit Ausbruch des Corona-Virus erleben asiatisch und asiatisch gelesenen Menschen verstärkt rassistische Angriffe. Fast täglich gibt es Meldungen von neuen Vorfällen.

Obdachlosigkeit und Corona

Menschen ohne Obdach sind in diesen Tagen ganz besonders von der Corona-Krise betroffen, denn zahlreiche Unterstützungsangebote fallen weg.

Rom*nja und Corona

Für viele Rom*nja in Kontinentaleuropa ist die Corona-Pandemie nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern auch Katalysator für antiziganistische Diskriminierung und Gewalt.

Nachbarschaftshilfe und Corona

Gerade für ältere und geschwächte Menschen ist die Corona-Krise eine massive Belastung. Doch Rechtsextreme nutzen das, um sich als „Kümmerer“ zu inszenieren.

Häusliche Gewalt und Corona

Erste Studien und Berichte von Beratungsstellen belegen, dass häusliche Gewalt in Zeiten der Corona-Krise massiv ansteigt.

Armut und Corona

Während die Corona-Pandemie für die einen Entschleunigung und Homeoffice im Garten bedeutet, sind Menschen, die in Armut Leben, ganz besonders von der Krise betroffen.

Fake News, Desinformation und Corona

Parallel zur Corona-Pandemie grassieren unzählige Falschinformationen. Viele Menschen erleben solche Aussagen zum ersten Mal auch im persönlichen Nahfeld.

Flucht und Corona

In internationalen Flüchtlingscamps harren die Menschen auf engstem Raum aus, ohne ausreichenden Zugang zu Sanitäranlagen und ohne Perspektive.

Sammelunterkünfte und Corona

In den Sammelunterkünften für Geflüchtete ist Social Distancing ein Ding der Unmöglichkeit, die Ansteckungsgefahr ist enorm.

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