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Antiziganismus: Rassismus gegen Sinti:zze und Rom:nja – Was ist das?

Antiziganismus: Rassismus gegen Sinti:zze und Rom:nja

Rom:nja und Sinti:zze sind die größte und eine der ältesten Minderheiten Europas. Über Jahrhunderte und über Nationalstaaten hinweg, sind sie von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt betroffen.

 

In Deutschland leben die Angehörigen der Sinti:zze und Rom:nja seit mehr als 600 Jahren. Sie stellen keine homogene Volksgruppe dar. Vielmehr wird mit Sinti:zze der westeuropäische oder auch deutsche Teil der Rom:nja bezeichnet.

 

In Europa gibt es eine lange Geschichte des Misstrauens gegenüber Menschen ohne festen Wohnsitz. Und es gibt das Bild, das Rom:nja und Sint:ezza als nicht sesshaft darstellt. Die Verknüpfung dieser Stereotype führte und führt zur Ablehnung von Rom:nja und Sint:ezza. Dabei sind beide Verknüpfungen verkehrt: Dass Menschen den Wohnort oft wechseln, heißt weder, dass sie Rom:nja und Sint:ezza sind, noch, dass sie kriminell sind.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin erinnert an den Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den als „Zigeuner“ verfolgten europäischen Roma mit bis zu 500.000 Opfern an Männern, Frauen und Kindern.

Welche Begriffe gibt es?


Der Rassismus gegen Rom:nja und Sinti:zze wird auch Antiziganismus oder Antiromaismus genannt. Jedoch gibt es unter den Betroffenen unterschiedliche Meinungen, welcher Begriff besser passt. Obwohl Antiziganismus der bekannteste ist, wird er von manchen abgelehnt, weil er rassistische Beleidigungen reproduziere. Einige Sinti:zze kritisieren, dass sie in »Antiromaismus« nicht explizit erwähnt werden. Andere bevorzugen den Begriff Gadjé-Rassismus. Gadjé ist ein Wort aus dem Romanes und bezeichnet u.a. Nicht-Roma. Der Begriff soll verdeutlichen, welche Personen Rassismus gegen Rom:nja und Sinti:zze ausüben.

Schreibweise

 

Männliche Mitglieder der Sinti:zze bezeichnen sich als „Sinto” und weibliche als „Sintez(z)a” oder „Sintiz(z)a”. Männliche Mitglieder der Rom:nja bezeichnen sich als „Rom”, weibliche Personen nennen sich meist „Romni”. Um alle Mitglieder sprachlich abzubilden, verwenden wir die Schreibweise „Sinti:zze und Rom:nja”.

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Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Wenn Menschen aufgrund eines gemeinsamen Merkmals in Gruppen eingeteilt und diese abgewertet und ausgegrenzt werden, spricht man von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF). Wir erklären, welche Formen es gibt – und welche Folgen GMF für Betroffene hat.

Wie funktioniert Rassismus gegen Sinti:zze und Rom:nja?

 

Rom:nja und Sint:ezza gehören zum “Wir” und sind so vielfältig und individuell wie alle Menschen. Viele bezeichnen sich jedoch nicht öffentlich als Rom:nja und Sint:ezza, da sie Diskriminierung und Anfeindungen befürchten. Dass diese Angst begründet sein kann, zeigen viele Beispiele. Die Vorurteile sind nicht nur verletzend, sondern führen dazu, dass Menschen benachteiligt werden: z.B. bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder indem sie in der Schule schlechter benotet werden. In der Öffentlichkeit werden Rom:nja und Sint:ezza fast nie in ihren Berufen als Autor:innen, Ärzt:innen oder Beamt:innen, sondern häufig als “arm” und “kriminell” dargestellt. Dadurch kommen sie selten selbst zu Wort. Dadurch ist es für sie schwer einseitigen Darstellungen und Stereotypen etwas entgegenzusetzen.

Alltägliche Gewalt

 

Europaweit erleiden Rom:nja und Sinti:zze massive Diskriminierung. Auch in Deutschland gehören Gewalt und alltägliche Beschimpfungen zum Alltag vieler Sinti:zze und Rom:nja. Diese Erfahrungen führen bei vielen Menschen zu einem Rückzug aus der Gesellschaft. Die lange Geschichte der Benachteiligung hat bewirkt, dass viele Sinti:zze und Rom:nja sich in schwierigen wirtschaftlichen Situationen befinden und oft Probleme beim Zugang zu Bildung, Arbeit oder Wohnraum haben. Hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft und Rassismus.

 

Andererseits gibt es auch Vorstellungen von Rom:nja und Sint:ezza, die auf den ersten Blick positiv wirken mögen, aber dennoch ein Problem sind. Dazu gehören romantisierende Bilder vom Leben auf Reisen, mit Musik und Tanz am Lagerfeuer. Diese Bilder stehen vermeintlich für Freiheit und Lebensfreude, werden aber gleichzeitig mit rassistischen Zuschreibungen verknüpft und sprechen den so beschriebenen Menschen ab, unterschiedlich und individuell zu sein. Außerdem betonen sie den angeblichen Unterschied zur  Mehrheitsgesellschaft, die pflichtbewusst sei und hart arbeiten müsse (Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft). Zudem gehen sie nicht selten mit Sexismus einher, wie bei dem Bild von der exotisch-verführerischen »Carmen«.

Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

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Rassismus – Was ist das?

Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihres Äußeren, ihres Namens, ihrer (vermeintlichen) Kultur, Herkunft oder Religion abwertet.

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Antisemitismus – Was ist das?

Der Hass auf Juden und die Ablehnung des Jüdischen drückt sich in Form von Schändungen von jüdischen Friedhöfen, judenfeindlichen Schmierereien, der Leugnung des Holocausts, (Brand-)anschlägen auf Synagogen sowie Beleidigungen und Gewalt gegenüber Jüdinnen:Juden aus.

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Antimuslimischer Rassismus – Was ist das?

Der Islam mit all seinen Facetten wird oftmals vereinfacht und vereinheitlicht, indem “der” Islam als “gefährlich” oder zumindest “fremd” und als Bedrohung dargestellt wird. Für Betroffene bedeutet das neben rassistischer Anfeindung und Angriffen auch Diskriminierung und Ungleichbehandlung.

Homeless

Feindschaft gegen Obdachlose – Was ist das?

Wohnungs- und Obdachlose befinden sich häufig in schwierigen Lebenssituationen, aus denen sie nur schwer herausfinden. Umso schlimmer ist, dass sie Anfeindungen, Hass und Gewalt erleben müssen.

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Sexismus: Abwertung aufgrund von Geschlecht – Was ist das?

Sexismus schreibt Männern und Frauen vor, wie sie leben sollen, was sie können müssen, wie sie fühlen sollen und wen sie lieben dürfen. Frauenhass und sexualisierte Gewalt ist alltäglich und sexistische Klischees grenzen die Entfaltungsmöglichkeiten und Lebensentwürfe von allen ein.

People in a gay pride parade

Homo- und Trans*feindlichkeit – Was ist das?

Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Erwartungen an ihr zugeschriebenes Geschlecht erfüllen möchten oder können, ihr Geschlecht außerhalb der Norm definieren, oder anders lieben, müssen sich noch immer verstecken, werden angefeindet oder erleben Gewalt.

Group of multiethnic women with different kind of skin posing to

Lookismus: Diskriminierung aufgrund von Aussehen – Was ist das?

Menschen, die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung nicht ins gesellschaftliche Ideal passen, müssen bereits früh mit Ausgrenzung und Herabwürdigung leben. Wenn die Argumente ausgehen, wird der Körper kommentiert und bewertet. Mit schlimmen Folgen für die Betroffenen.

man in wheelchair enjoying his freedom at lake

Ableismus: Abwertung von Menschen mit Behinderung – Was ist das?

Menschen mit unterschiedlichen körperlichen oder geistigen Befähigungen werden oft so behandelt, als würde mit ihnen etwas nicht stimmen. Sie werden aufgrund ihrer körperlichen und psychischen Merkmale und Beeinträchtigungen diskriminiert, entmündigt, angefeindet oder angegriffen.

Refugees Welcome

Feindschaft gegen Geflüchtete – Was ist das?

Geflüchtete Menschen sind besonders verwundbar und haben oft traumatisierende Erfahrungen in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht gemacht. Umso verheerender ist es, dass ihnen in Deutschland häufig rassistischer Hass und Gewalt entgegenschlägt.

Omas gegen rechts auf einer Donnerstagsdemo

Altersdiskriminierung – Was ist das?

Auch alte und junge Menschen können von Diskriminierung betroffen sein. Auf Basis von diskriminierenden Annahmen über das Alter werden Menschen ausgegrenzt und ihnen wird die Mündigkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft abgesprochen.

Black lives Matter

Anti-Schwarzer Rassismus – Was ist das?

Es gibt keine wissenschaftliche Begründung für die Einteilung der Menschen in Rassen. Dennoch fußen rechtsextreme und rassistische Weltbilder auf der Vorstellung, die eigene “weiße Rasse“ oder das “weiße Volk” sei anderen überlegen.

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